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Thu Feb 05 13:04:44 CET 2026
(neu: Aussagen von der Hauptversammlung)
ERLANGEN (dpa-AFX) - Der Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers ist schwächer in das neue Geschäftsjahr gestartet. Der starke Euro sowie die US-Zölle belasteten das erste Geschäftsquartal (bis Ende Dezember). Die Ergebnisse fielen jedoch nicht so stark wie erwartet. Weiter robust zeigte sich der Auftragseingang. Gut entwickelten sich das Kerngeschäft mit der Bildgebung und die neue Sparte Precision Therapy, die den US-Krebsspezialisten Varian enthält. Dagegen bleibt der Bereich Labordiagnostik wegen der anhaltenden Probleme in China schwach.
Aktionäre forderten am Donnerstag auf der Hauptversammlung Klarheit beim weiteren Fahrplan bei der Labordiagnostik, die Siemens Healthineers nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Die Sparte, die keine Synergien zum restlichen Unternehmen aufweist, soll in den kommenden Jahren eigenständig aufgestellt werden. Eine mögliche Trennung danach ist noch offen.
"Diagnostics braucht jetzt Klarheit: Ohne eine eindeutige strategische Entscheidung bleibt das Segment ein Bremsklotz für den Gesamtwert des Unternehmens und kann im Gegenzug sein sicherlich eigenes großes Potenzial nicht angemessen entfalten", so Aktionärsvertreter Hendrik Schmidt von DWS. Wenn der Bereich in eine kapitalmarktnahe Eigenständigkeit geführt werden solle, "dann bitte mit wirklicher Freiheit und Unabhängigkeit und nicht als konsolidierte Mehrheitsbeteiligung".
Healthineers selbst sieht mehrere Optionen. Näher wollte sich Konzernchef Bernd Montag auch auf Nachfrage nicht äußern. Ziel sei es jedoch nicht, "ein Konglomerat" zu sein.
Die Labordiagnostik ist seit längerem der Problemfall bei Healthineers, die Geschäfte liefen zuletzt mau. Healthineers hatte daher vor einiger Zeit ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt, um die Sparte wieder profitabler zu machen.
Ein Problem ist inzwischen auch das anhaltend schwierige Chinageschäft, in dem es strukturelle Umwälzungen gibt. So ist das Land im Zuge seiner Antikorruptionskampagne zu einer zentralen, volumenbasierten Beschaffung übergegangen. Dazu kommt, dass die Erstattungsbeträge gesunken sind. Umsatz und Profitabilität gingen daher auch im ersten Quartal deutlich zurück, die bereinigte operative Marge betrug 2,1 Prozent und war mit weitem Abstand die schwächste im Konzern.
Insgesamt sank der Konzernumsatz im vergangenen Quartal um 1,5 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro, wie das Unternehmen zuvor am Morgen in Erlangen mitgeteilt hatte. Auf vergleichbarer Basis, also währungs- und portfoliobereinigt, erreichte Healthineers ein Plus von 3,8 Prozent, was unter den Erwartungen der Analysten lag. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank ebenfalls um 1,5 Prozent auf 809 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie ging um 3,4 Prozent auf 0,49 Euro zurück. Hier hatten Marktexperten mit einem größeren Rückgang gerechnet.
Die im Dax notierte Aktie startete am Donnerstag zunächst mit Kursgewinnen, gab diese jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder ab und drehte in die Verlustzone. Bis zum Mittag weitete sich das Minus auf fast drei Prozent aus. Analysten lobten zwar die Entwicklung im Kerngeschäft, sahen aber die Schwäche in der Labordiagnostik kritisch. Ein Händler sprach von insgesamt "durchwachsenen" Zahlen.
An seiner Jahresprognose hält das Management fest. So soll der vergleichbare Umsatz weiterhin um fünf bis sechs Prozent zulegen. Mit Ausnahme des Labordiagnostik-Geschäfts, für das zunächst weiter eine Stagnation erwartet wird, sollen alle Bereiche wachsen. Dabei geht Finanzvorstand Jochen Schmitz für das zweite Quartal für den Konzern von einer Umsatzentwicklung unterhalb der Jahresprognose aus. Bei der Labordiagnostik dürfte das Minus dabei nochmals stärker ausfallen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie sieht Healthineers 2025/26 weiter bei 2,20 bis 2,40 Euro. Im Vorjahr hatte es bei 2,39 Euro gelegen.
Unterdessen kommen die Vorbereitungen für die Entkonsolidierung durch die Muttergesellschaft Siemens laut Montag voran. So bereite sich Healthineers auf eine entsprechende Refinanzierung vor, die durch die Abspaltung entstehen wird. Bislang hat Healthineers hier vom Siemens-Netz profitiert.
Die Aktionäre begrüßten die Abnabelung von Siemens. Sie rechnen mit einer höheren Attraktivität der Aktie durch einen größeren Streubesitz. "Auf diese Ankündigung haben wir als Aktionäre schon lange gewartet", sagte DWS-Experte Schmidt.
Siemens hatte Mitte November angekündigt, sich von seiner Medizintechniktochter zu trennen. In einem ersten Schritt sollen 30 Prozent an dem ebenfalls im Dax notierten Unternehmen vorzugsweise in Form einer Abspaltung an die Aktionäre der Siemens weitergereicht werden. Investoren hatten diesen Schritt schon länger gefordert, weil das Geschäft von Healthineers keine Synergien zu Siemens aufweist und dazu viel Kapital bindet.
Die Entkonsolidierung wird jedoch dauern: So müssen die Details noch ausgearbeitet werden und die Aktionäre beider Unternehmen dem Vorhaben zustimmen. Siemens hielt zuletzt noch rund 67 Prozent an den Erlangern.
Kritik von den Anlegern kam an der Art der Dekonsolidierung: So würde eine Abspaltung mittels einer Sachdividende keine neuen Aktionäre gewinnen, sagte Schmidt von der DWS. Zudem verwies er auf die mögliche Dauer der Transaktion. So dürfe nicht übersehen werden, dass der mehrjährige und schrittweise Abbau der Siemens-Beteiligung einen strukturellen Verkaufsdruck schaffe, der einen erheblichen Einfluss auf die kurzfristige und mittelfristige Kursentwicklung haben könnte.
Zudem fürchten einige Aktionäre, dass eine eigene Refinanzierungsstruktur von Healthineers zu steigenden Kosten führen könnte./nas/stw/stk
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