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Tue Jun 02 12:52:39 CEST 2026
PARIS/FRANKFURT/NEW YORK (dpa-AFX) - Die Begeisterung rund um Künstliche Intelligenz (KI) hat am Dienstag einmal mehr die europäischen Halbleiterwerte mitgerissen. Nachdem zu Wochenbeginn bereits beruhigende Aussagen des Nvidia-Chefs Jensen Huang für einen kräftigen Erholungsschub bei Software-Aktien gesorgt hatten, reagierten die Anleger nun erfreut auf positive Unternehmensnachrichten aus dem Hardware-Bereich.
So beflügelt der anhaltende KI-Boom den Chipkonzern STMicroelectronics . Das Management verdoppelt deshalb seine Prognose für den Umsatz mit Rechenzentren in diesem Jahr nahezu. Zudem könnten sich die Erlöse in diesem Bereich bis 2027 nochmals verdoppeln, sollten die derzeitigen Marktkräfte Bestand haben. Nach Ansicht des Experten Janardan Menon vom Analysehaus Jefferies zeugen die Aussagen von der Zuversicht des Unternehmens, dass die aufgebauten Kapazitäten auf entsprechende Nachfrage treffen.
Die Aktien von STMicro setzten daraufhin ihren starken Lauf seit Anfang April fort und erreichten mit einem Plus von elf Prozent auf 65,80 Euro das höchste Niveau seit 2000. Damit hatten sie zugleich im französischen Leitindex CAC 40 klar die Nase vorn. Dieser gewann zuletzt fast ein Prozent.
Bereits am Vorabend hatte Hewlett Packard Enterprise (HPE) in den USA wegen der starken Nachfrage nach KI-Infrastruktur seine Umsatzziele deutlich angehoben. Der KI-Boom sorgt für zusätzliche Nachfrage nach klassischen Servern, die oft leistungsfähig genug für den Einsatz von KI-Modellen sind. In diesem Bereich habe es im Quartal ein "dreistelliges Wachstum" bei den Aufträgen gegeben, so Konzernchef Antonio Neri. Bei den Anlegern kamen die Nachrichten von HPE überaus gut an. Die Aktien machten im vorbörslichen US-Handel einen Kurssprung um mehr als 25 Prozent.
Die Anteilsscheine von Marvell Technology zogen im vorbörslichen US-Geschäft um gut 28 Prozent an, nachdem der Nvidia-Chef den Halbleiterkonzern als das "nächste Billionen-Dollar-Unternehmen" bezeichnet hatte. "Die nützliche KI ist da", bekräftigte Huang und fügte hinzu, dass dies der Grund dafür sei, dass die Nachfrage nach Produkten von Nvidia und Marvell "durch die Decke geht".
In diesem positiven Umfeld verzeichnete der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Technology mit einem Plus von gut 3 Prozent die größten Gewinne in der Sektorübersicht. Unter den Favoriten zogen die Papiere der niederländische Internet-Beteiligungsholding Prosus um gut zehn Prozent an. Denn deren mit Abstand wichtigste Beteiligung, der chinesische Techriese Tencent , verzeichnete in Hongkong einen Kurssprung von ebenfalls mehr als zehn Prozent. Die Aktien profitierten von einem Medienbericht, wonach Tencent einen Prototyp eines KI-Agenten testet und so seine Aktivitäten im KI-Bereich beflügelt.
Auch die Papiere des deutschen Branchenvertreters Infineon schnellten um fast sieben Prozent hoch und setzten sich damit auch an die Spitze des deutschen Leitindex Dax . Sie sind wie STMicro so teuer wie zu Beginn des Jahrtausends, als das Aufkommen der "New Economy" und die allmähliche Monetarisierung des Internets zu einem Hype um Technologieaktien geführt hatte.
Beobachter weisen derweil darauf hin, dass die Unterschiede zum Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 gravierend seien. So seien die Unternehmen aus diesem Bereich heute in der Regel deutlich profitabler und finanzkräftiger als die damaligen Tech-Firmen, und zudem seien die Aktien aktuell noch deutlich moderater bewertet als seinerzeit.
Gleichwohl zeigt gerade das Beispiel der Software-Unternehmen, dass der KI-Boom am Aktienmarkt auch seine Schattenseiten hat. Denn es wird befürchtet, dass traditionelle Geschäftsmodelle durch Künstliche Intelligenz stark gefährdet werden könnten./la/ag/jha/
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