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Mon Jun 08 12:02:41 CEST 2026
NEW YORK (dpa-AFX) - Mitten im Boom um Künstliche Intelligenz (KI) möchte SpaceX in bisher unbekannte Börsenwelten vordringen. Elon Musks (Nicht-nur)-Weltraumfirma will bei ihrem Rekord-Börsengang (IPO) an diesem Freitag rund 75 Milliarden US-Dollar einnehmen.
SpaceX würde dann an der Börse mit einem Schlag rund 1,7 Billionen Dollar schwer sein und sich somit locker in die Reihe der zehn wertvollsten Börsenunternehmen weltweit einreihen. Dabei hat SpaceX den Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie bereits fixiert, ohne vorher wie üblich eine Preisspanne zu nennen. Die Liste der Billionen-Dollar-Konzerne wird derzeit von dem KI-Giganten Nvidia angeführt, der rund 5 Billionen Dollar auf die Waage bringt.
Es ist somit eine große Wette auf die Innovationskraft des für seinen Elektroautobauer Tesla bekannten Multimilliardärs, denn im vergangenen Jahr gab es rote Zahlen in Milliardenhöhe - vor allem wegen hoher Kosten für die Entwicklung der großen Rakete Starship. Doch Anleger elektrisiert offenbar, dass SpaceX mit seinen Raketen eine Schlüsselrolle für das US-Raumfahrtprogramm spielt. Das Unternehmen betreibt zudem den Satelliten-Internetdienst Starlink, der zugleich der mit Abstand größte Geldbringer ist. Ferner brachte Musk in SpaceX auch seine KI-Firma xAI samt der Online-Plattform X ein.
Damit könnten die Investoren gleich von mehreren Megatrends profitieren. Dabei aber besteht nicht nur die Gefahr, dass die Anlegerträume verpuffen, wenn sich die vermeintlich langfristigen Kurstreiber doch früher oder später verflüchtigen. Vielmehr dürfte der Mega-IPO als "gigantischer Staubsauger" wirken, der am Kapitalmarkt von vielen Seiten Geld anzieht - mit allen damit verbundenen Risiken.
Schon jetzt wird spekuliert, dass die Nachfrage nach SpaceX-Aktien doppelt so hoch ist wie das Angebot. Befeuert wurde der Hype durch Medienberichte, wonach Elon Musk deutlich mehr Papiere für Privatanleger reservieren möchte als normalerweise bei Börsengängen üblich. Verläuft alles nach Plan, wäre er der erste Billionär der Welt, denn er behält weiter die vollständige Kontrolle an SpaceX.
Experten sehen Chancen in der zunehmenden Kommerzialisierung und Privatisierung der Raumfahrt. "Der SpaceX-Börsengang markiert einen Wendepunkt für die Weltraumwirtschaft", schrieb Fondsmanagerin Alicia Daurignac vom französischen Vermögensverwalter La Financiere de l'Echiquier. Der anstehende Börsengang könnte den Raumfahrtsektor neu definieren - nicht als spekulatives Thema, sondern als legitime Infrastrukturkategorie neben Bereichen wie Energie und Telekommunikation.
Skeptischer ist der Spezialist für thematische Investments Tristan Abet vom Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux. Kritisch sieht der Experte vor allem die Rolle von Elon Musk selbst: "Wir haben es hier nicht mit einem gewöhnlichen Vorstandsvorsitzenden zu tun, sondern mit einem Guru, einer Art Krishna des Sternenkultes." Die Bewertung von SpaceX sei der Preis für Leidenschaft, Faszination und den Traum, den alle Kinder gehabt hätten, als sie zum ersten Mal in die Sterne blickten.
Sollten nun die Optimisten die Oberhand gewinnen, kommt es zu einem wohl nie dagewesenen Billionenspiel an der Börse, an dem viele mitverdienen wollen - nicht zuletzt die sehr einflussreichen Index-Anbieter. Einige haben bereits eine Art "Lex SpaceX" beschlossen, indem sie Anforderungen an den Mindest-Streubesitz der Aktien gelockert und Wartefristen für die Index-Aufnahme verkürzt haben.
Diese Änderungen ermöglichen es, dass SpaceX schneller als üblich in wichtige Aktien-Indizes aufgenommen werden kann. Und in der Folge dürfte dann ein klassischer Mechanismus in Gang kommen, mahnte Audun Wickstrand Iversen, Portfoliomanager bei DNB Asset Management. "Dann kaufen Indexfonds automatisch - ohne Rücksicht auf Bewertungsmodelle oder Wachstumsstory." Dadurch werde keine inhaltliche, sondern eine strukturelle Nachfrage erzeugt, frei von fundamentalen betriebswirtschaftlichen Kennziffern.
Wer aus eigenem Antrieb oder, im Falle indexabbildender Fonds, aus Zwang SpaceX-Aktien kauft, muss die Gelder dafür letztlich von irgendwoher abziehen, wenn nicht genug frisches Kapital zufließt. Somit werden insbesondere Anbieter von Index-Fonds oder Pensionsfonds zu großen Playern, die mit entsprechenden Portfolio-Umschichtungen womöglich in Zukunft ganze Branchen oder auch andere Märkte belasten können.
Für die Expertin Jane Gibbons vom Analysehaus Jefferies sind die sieben wertvollsten und einflussreichsten US-Technologieunternehmen eine wahrscheinliche Liquiditätsquelle, die sogenannten Glorreichen Sieben. Zu denen zählen neben Nvidia der Computerkonzern Apple , die Google-Mutter Alphabet , der Software-Konzern Microsoft , der Online-Händler Amazon , der Facebook-Mutterkonzern Meta sowie Tesla./la/ag/jha/
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