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Sat Jun 27 10:20:07 CEST 2026
HANNOVER (dpa-AFX) - Der kriselnde Autokonzern Volkswagen könnte nach Ansicht von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies künftig auch in China entwickelte Konzernmodelle in Deutschland produzieren. Dadurch ließen sich die Werke besser auslasten und Arbeitsplätze sichern, sagte der SPD-Politiker und VW-Aufsichtsrat der Deutschen Presse-Agentur.
"Wenn wir Fahrzeuge, die wir bislang in China bauen, auch hier produzieren würden, könnten wir die Auslastung unserer Werke stabilisieren", sagte Lies. "So holen wir auch die Chance auf neue Entwicklung und Innovation an die Standorte. Für mich geht es darum, Beschäftigung und Auslastung in unseren Werken zu stabilisieren, anstatt zuzusehen, wie andere neue Werke außerhalb Deutschlands hochziehen."
Das Ziel: zusätzliche Produktion nach Europa holen
Derzeit bringe Volkswagen nicht genügend Fahrzeuge auf den Markt, um alle Werke optimal auszulasten. Gleichzeitig gebe es Modelle, die der Konzern mit Partnern in China entwickle und produziere. "Wir holen also unsere eigenen Fahrzeuge gemeinsam mit unseren Partnern in unsere Werke hier und produzieren hier", sagte Lies. "Wir reden also nicht darüber, Produktion aus Deutschland zu verlagern, sondern darüber, zusätzliche Produkte und zusätzliche Auslastung an unsere europäischen Standorte zu holen."
Hintergrund der Überlegung ist die schwierige Lage der Autobranche. Der Markt gehe zurück, gleichzeitig steige der Konkurrenzdruck. Chinesische Autos kämen zunehmend auf den europäischen Markt, sagte Lies, betonte aber: "Ich bin nicht bereit zu sagen: Weil chinesische Hersteller auf den europäischen Markt kommen und uns Marktanteile abnehmen, müssen wir weitere Arbeitsplätze abbauen oder Standorte schließen." Die Frage sei, ob man nur Zuschauer sein oder das Spiel weiter aktiv mit bestimmen wolle.
Bericht über Wegfall von bis zu 100.000 Stellen
Das "Manager Magazin" hatte gestern berichtet, der VW-Konzern wolle seinen Sparkurs noch einmal deutlich verschärfen. Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken in Deutschland drohe die Schließung.
VW bestätigte, dass an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet werde. Dabei gehe es darum, das Unternehmen "effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen". Details ließ ein Sprecher offen.
Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte im VW-Konzern. Lies und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) sitzen im Aufsichtsrat. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern haben sie dort die Mehrheit. Bei wichtigen Entscheidungen hat das Land zudem ein Veto-Recht.
Nach den Berichten über einen verschärften Sparplan kündigte Lies gestern bereits an, das Land werde keiner Entwicklung zustimmen, "die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt". Lies sagte weiter: "Die Zukunft von Volkswagen wird nicht dadurch gewonnen, dass man immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt."
China als Teil der Lösung?
Volkswagen arbeitet seit Jahrzehnten mit chinesischen Partnern zusammen. Über Kooperationen unter anderem mit XPeng und SAIC habe der Konzern einen Entwicklungsrückstand schnell aufholen und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken können, sagte Lies. Volkswagen sei seit 42 Jahren in China aktiv und baue dort in guten Zeiten rund drei Millionen Fahrzeuge pro Jahr.
Eine Abschottung gegenüber technologischen Entwicklungen aus China hält Lies für den falschen Weg. "Unser Ziel darf nicht sein, technologische Entwicklungen voneinander abzuschotten", sagte er. Innovationen, die weltweit entstünden, müssten auch an den Standorten in Niedersachsen und Deutschland Arbeitsplätze sichern und neue Wertschöpfung schaffen.
Bereits im April hatte sich Lies nach einer China-Reise dafür ausgesprochen, den Bau chinesischer Autos in deutschen VW-Werken zu prüfen./cwe/DP/zb
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