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Fri Mar 06 14:11:52 CET 2026
(neu: aktualisierte Kursentwicklung, weitere Analysten-Kommentare)
KÖLN (dpa-AFX) - Der Spezialchemiekonzern Lanxess wird seine Anteile am Gemeinschaftsunternehmen Envalior nicht in diesem Jahr an den Joint-Venture-Partner Advent verkaufen. Der Finanzinvestor habe Lanxess diese Entscheidung mitgeteilt und sich dabei auf den vereinbarten Finanzierungsvorbehalt berufen, teilte der MDax -Konzern bereits am Donnerstagabend mit. An der Börse kam das vor dem Wochenende nicht gut an.
Die Aktie stand am Freitag unter kräftigem Abgabedruck. Zuletzt notierte sie am frühen Nachmittag 18 Prozent im Minus bei 13,37 Euro auf dem niedrigsten Niveau seit 2009. Im bisherigen Jahresverlauf hat sie fast ein Viertel an Wert verloren, in den vergangenen zwölf Monaten sogar fast 60 Prozent.
Für Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan haben die Bilanzsorgen bei Lanxess damit Bestand. Sie seien schon länger das dominierende Thema der Aktienstory. Am Markt sei eine geringe Wahrscheinlichkeit für den Abschluss der Transaktion 2026 bereits eingepreist. Die Ankündigung dürfte daher keine große Überraschung sein.
Auch Anil Shenoy von der Barclays Bank schrieb, dass er in diesem Jahr ohnehin nicht an einen Abschluss geglaubt habe. Der Fokus von Anlegern verlagere sich nun aber auf die Verschuldung von Lanxess. Er hält die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung für möglich und sieht seine negativen Einschätzungen zu den Aktien und Anleihen von Lanxess untermauert.
Christian Bell von der UBS befürchtet, dass Lanxess bei Rating-Agenturen den Status "Investment Grade" verlieren könnte. Damit könnten die Finanzierungskosten für das recht hoch verschuldete Unternehmen steigen.
Auch Tristan Lamotte von Deutsche Bank Research verwies darauf, dass ohne den Envalior-Ausstieg die Schulden von Lanxess hoch blieben. Zudem bleibe die Nachfrage nach den Produkten des Chemieunternehmens schwach.
Die Kölner sehen sich auch ohne die Einnahmen aus dem Anteilsverkauf langfristig solide finanziert, die Rückzahlung der im Oktober fälligen Anleihe sei bereits gesichert, so das Unternehmen. Lanxess wollte dieses Jahr wie im vergangenen September angekündigt ursprünglich 1,2 Milliarden Euro durch den Verkauf seiner Anteile von rund 41 Prozent an Envalior einnehmen. Nun gälten die für 2027 und 2028 vereinbarten Ankaufsrechte, hieß es.
Im Jahr 2027 steht Advent ein Erwerbsrecht für die Anteile zum selben Kaufpreis wie im Jahr 2026 zu. Wird dieses nicht ausgeübt, lebt das Andienungsrecht von Lanxess zum 1. April 2028 nach dem gleichen Bewertungs- und Vollzugsmechanismus wieder auf. Im Jahr 2028 steht der Erwerb der Hälfte der von den Kölnern gehaltenen Beteiligung dann jedoch nicht mehr unter einem Finanzierungsvorbehalt oder anderen Bedingungen.
Envalior, ein Spezialist für technische Hochleistungswerkstoffe, war im Frühjahr 2023 gegründet worden. Das Unternehmen entstand durch die Fusion des Bereichs Engineering Materials des niederländischen Konzerns Royal DSM und von Lanxess High Performance Materials.
Das Management von Lanxess hatte sich Anfang November in einem weiterhin schwierigen Wirtschaftsumfeld vorsichtiger für die Gewinnentwicklung 2025 gezeigt. Konzernchef Matthias Zachert rechnete für 2025 zuletzt mit einem um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) am unteren Ende der bisher avisierten Spanne von 520 bis 580 Millionen Euro.
Der Konzern wird am 19. März seine Geschäftszahlen für 2025 vorlegen./err/men/
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