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Fri Nov 06 20:05:17 CET 2026
NEW YORK (dpa-AFX) - Nach dem Ausverkauf an den US-Börsen am Vortag hat sich der besonders gebeutelte Tech-Sektor am Freitag wieder etwas berappelt. Dagegen kam der von traditionellen Branchen geprägte Leitindex Dow Jones Industrial nur wenig von der Stelle. Ein überraschend guter Arbeitsmarktbericht schürte die Erwartungen an eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Dezember, gab den Aktienkursen aber kaum Impulse. Auch das von der Universität Michigan ermittelte, ebenfalls stark ausgefallene Verbrauchervertrauen ließ die Anleger kalt.
Zuletzt machte der Nasdaq 100 mit einem Plus von 1,57 Prozent auf 27.047 Punkte wieder Boden gut, vor allem dank der deutlich erholten Halbleiterwerte. Für die Anleger dürfte das indes nur ein schwacher Trost sein: Am Donnerstag hatte der technologielastige Auswahlindex wegen eines mehr als sechsprozentigen Einbruchs den tiefsten Stand seit April erreicht. Seit Beginn der nur zwischenzeitlich stockenden Verkaufswelle gegen Ende Oktober steht ein Minus von 9,3 Prozent zu Buche. Für die Woche zeichnet sich ein Kursabschlag von 4,7 Prozent ab.
Der marktbreite S&P 500 gewann am Freitag 0,68 Prozent auf 7.423 Punkte, womit er sich ebenfalls von seinen deutlichen Vortagsverlusten erholte. Der Dow, der sich zuletzt besser als die beiden anderen Indizes gehalten hatte, verlor 0,05 Prozent auf 51.498 Punkte. Auf Wochensicht steuert er vor allem wegen des Kursrutsches vom Donnerstag auf ein Minus von 0,5 Prozent zu.
Experten wollten die Börsenverluste nach den US-Zwischenwahlen nicht überbewerten. "Wir gehen davon aus, dass der KI-Investitionszyklus weiterhin intakt ist, das Gewinnwachstum der Unternehmen stabil bleibt und ein positives globales Konjunkturumfeld die Aktienmärkte stützen dürfte", sagte Mark Haefele, Chefanlagestratege beim Vermögensverwalter UBS Global Wealth Management. Auch wenn es nach den Wahlen zu einer Phase der Marktverunsicherung kommen könnte, glaube er nicht, dass die Fundamentaldaten einen anhaltenden Abschwung an den Börsen rechtfertigen.
Seit dem Erdrutschsieg der Demokraten bei den Kongresswahlen am Dienstag sind die Finanzmärkte nervös. Denn die Demokraten stehen Künstlicher Intelligenz (KI) skeptischer gegenüber als die Republikaner, die sich traditionell für den Abbau staatlicher Vorgaben starkmachen.
Tech-Konzerne müssen sich auf mehr Gegenwind bei ihren riesigen Rechenzentren für KI einstellen. Diese werden für Lärm, Luftverschmutzung und Wassermangel verantwortlich gemacht. Zudem wird befürchtet, dass die Energiepreise wegen des sehr hohen Strombedarfs auch in der Breite steigen könnten.
Die Unsicherheit mit Blick auf die künftige Höhe von KI-Investitionen strahlt auch auf die Gesamtwirtschaft aus. Aktuell wird noch davon ausgegangen, dass diese das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten erheblich ankurbeln. Sollte sich jedoch der Ausbau der dafür nötigen Rechenzentren deutlich verlangsamen, könnte dies die Konjunktur belasten.
Am Freitag legten viele der zuletzt abgestraften Aktien aus der Halbleiterbranche wieder zu: Für AMD , Lam Research und Intel ging es um 8,9 bis 9,7 Prozent hoch, für die Titel des Branchengiganten Nvidia immerhin um 3,2 Prozent. Auch die Anteile des Raumfahrt- und KI-Konzerns SpaceX sowie des Elektroautobauers Tesla berappelten sich mit Kursgewinnen von 7,3 beziehungsweise 4,6 Prozent. Sie waren nach den demokratischen Wahlerfolgen im traditionell republikanischen Bundesstaat Texas, wo die beiden Unternehmen von Elon Musk beheimatet sind, kräftig unter Druck geraten.
Zur Tech-Erholung trugen auch gute Unternehmensnachrichten bei. So hatte der Rechenzentrumsbetreiber und Bitcoin-Miner Iren ein laut Experten ordentliches Umsatzwachstum im Bereich Cloud-Lösungen für Künstliche Intelligenz verzeichnet. Zudem habe das bereinigte operative Ergebnis positiv überrascht, schrieb Experte John Todaro vom Analysehaus Needham. Damit zogen die Anteilscheine von Iren um gut 19 Prozent an.
Die Papiere von Cloudflare stiegen um 12,4 Prozent. Das Softwareunternehmen hatte seine Gesamtjahresprognose für alle wichtigen Kennzahlen angehoben.
Moderna überraschte damit, erstmals seit 2024 einen Quartalsgewinn erzielt zu haben - der Marktkonsens war von einem Verlust ausgegangen. Zudem hob der Impfstoffhersteller das Jahresziel für das Umsatzwachstum kräftig an. Mit einem Kursplus von 7,6 Prozent halten sich die Aktien weiterhin auf dem höchsten Niveau seit Ende 2021, womit sich ihr Wert im bisherigen Jahresverlauf fast verachtfacht hat./gl/he
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