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Fri Jan 02 14:00:18 CET 2026
BERLIN (dpa-AFX) - Spürbar wird er für Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem an der Tankstelle und beim Blick in die Heizkostenabrechnung: der CO2-Preis. Zum Jahreswechsel ist er erneut gestiegen, das soll dem Klimaschutz dienen. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema.
Was ist der CO2-Preis?
Seit 2021 gibt es in Deutschland den CO2-Preis für Heiz- und Brennstoffe. Mit einer schrittweise steigenden CO2-Bepreisung soll ein Anreiz für mehr Sparsamkeit sowie zu einem Umstieg auf klimafreundliche Technologien gesetzt werden, um CO2-Emissionen zu verringern.
Die Kosten werden an die Endverbraucher weitergegeben. Mit einer steigenden CO2-Bepreisung verteuern sich das Tanken mit Benzin und Diesel sowie das Heizen mit Erdgas und Öl.
Derzeit ist der Preis noch gesetzlich vorgegeben, in Zukunft soll er sich aber aus dem EU-Emissionshandel ergeben. Dabei müssen große Unternehmen, die Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel verkaufen, Emissionszertifikate vorweisen. Nach Bedarf können sie damit untereinander handeln. So entsteht ein Preis für jede ausgestoßene Tonne CO2. Über die Jahre sinkt die Zahl der verfügbaren Zertifikate - dies soll auf möglichst effiziente Art zu mehr Klimaschutz führen.
Was passiert im kommenden Jahr und danach beim CO2-Preis?
Mit dem Jahreswechsel ist der CO2-Preis von aktuell 55 Euro pro Tonne auf 55 bis 65 Euro pro Tonne gestiegen. Es gibt also einen Preiskorridor, innerhalb dessen die CO2-Zertifikate ersteigert werden können. Der Start der Auktionen ist laut Umweltbundesamt (UBA) derzeit für Juli 2026 vorgesehen und soll bis Ende Oktober einmal pro Woche an der Leipziger Energiebörse stattfinden. Wenn die Nachfrage bei den Versteigerungen nicht gedeckt werden kann, können weitere Zertifikate zu einem höheren Preis von 68 Euro erworben werden
Ein Jahr später, ab 2027, sollten Brennstoffe wie Benzin und Erdgas eigentlich auch in den europäischen Emissionshandel einbezogen werden, der Preis würde sich dann also durch Angebot und Nachfrage bilden. Doch nun kommt dieser Schritt wahrscheinlich erst 2028. Darauf haben sich Unterhändler von Europaparlament und EU-Staaten vor Kurzem verständigt. Damit sollen große Preissprünge für Verbraucher beim Tanken und Heizen vorerst vermieden werden.
Mit welchen Preisen müssen Verbraucher rechnen?
Autofahrer müssen beim Tanken tiefer in die Tasche greifen. Am oberen Ende der möglichen Spanne macht der CO2-Preis rund 3 Cent zusätzlich pro Liter aus - bei Benzin etwas weniger als bei Diesel. Zum Jahreswechsel hat dieser Effekt wohl bereits durchgeschlagen, wie ADAC-Daten zeigen: Am 1. Januar war ein Liter Super um 3,4 Cent teurer als am 31. Dezember, bei Diesel waren es 4 Cent. Zum Anstieg können aber auch noch andere Ursachen als der CO2-Preis beigetragen haben.
Zu den Heizkosten für Öl und Gas heißt es beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): "Wir halten es für wahrscheinlich, dass sich der Preis eher am oberen Ende einpendelt." Dadurch könne Heizöl 2026 etwa 3 Cent pro Liter mehr kosten. Erdgas werde wahrscheinlich um etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde teurer. "In einem typischen, wenig sanierten Einfamilienhaus mit Gasheizung und rund 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergeben sich dadurch ungefähre jährliche Mehrkosten von rund 50 Euro gegenüber dem Vorjahr."
Was sollte man als Mieter beachten?
Bei Gas- und Ölzentralheizungen wird der CO2-Preis zwischen Mieter und Vermieter aufgeteilt. Je energieeffizienter ein Haus ist, desto höher ist der Anteil, den Mieter tragen müssen. In schlecht gedämmten Gebäuden mit ineffizienter Heizung zahlen Vermieter hingegen den Löwenanteil.
Vermieter müssen den CO2-Preis in der Nebenkostenabrechnung transparent ausweisen, erklärt der vzbv. "Mieter sollten also unbedingt darauf achten, dass der Energieverbrauch, die anfallenden CO?-Kosten und die Aufteilung in der Abrechnung nachvollziehbar ausgewiesen sind. Ist die nicht der Fall, sollten Mieter sich bei dem Vermieter melden und eine Korrektur der Abrechnung verlangen."
Eigeninitiative ist bei Gasetagenheizungen mit eigenen Gasverträgen gefragt. Hier stellt der Versorger den Mieter zunächst den vollen CO2-Preis in Rechnung, diese können dann vom Vermieter die Erstattung seines Anteils verlangen, führt der vzbv aus.
Was passiert mit den Einnahmen?
Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen in den Klima- und Transformationsfonds. Dieser ist eigentlich für die Umstellung auf ein klimafreundlicheres Wirtschaften gedacht. Allerdings werden damit auch andere Kostenpunkte finanziert, wie zum Beispiel der ab Januar geplante staatlich subventionierte niedrigere Industriestrompreis.
Was ist für die Zukunft zu erwarten?
Auf die Dauer ist mit einem weiteren Anstieg des CO2-Preises zu rechnen. Der Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, Achim Wambach, rechnet ab 2028 mit einem Anstieg von bis zu 200 Euro pro Tonne CO2.
"Das wären für einen Liter Benzin rund 60 Cent mehr. Ein Vier-Personen-Haushalt, der noch mit Gas heizt, müsste mit rund 1.000 Euro höheren Heizkosten pro Jahr rechnen", sagte er der "Wirtschaftswoche". Das sind Aussagen, die sich damals noch auf das Jahr 2027 bezogen. Mit der Verschiebung um ein Jahr rechnet Wambach nun 2028 mit diesen Werten, wie er bestätigte.
Welche sozialen Auswirkungen hat der CO2-Preis?
Befürworter von Emissionshandelssystemen betonen, dass hier der Markt Klimaschutz effizient macht. Doch ohne ergänzende gesetzliche Vorgaben landen die Preise ungebremst bei den Verbrauchern, lautet eine Sorge.
Je stärker die gesetzlichen Vorgaben zum Beispiel im Gebäudeenergiegesetz oder die EU-Vorschriften für Neuwagen sind, desto niedriger fällt der CO2-Preis im Emissionshandel aus, erklärt Klimaforscher Niklas Höhne vom New Climate Institute. Die Bundesregierung plane aber, die Vorgaben eher zurückzudrehen. "Es ist also eher mit hohen Preisen zu rechnen."
Höhne sagt voraus: "Wenn ab 2028 wirklich das neue EU-Emissionshandelssystem ungebremst einsetzt, schnellen entweder die Preise in die Höhe, oder sie werden von der Politik gedeckelt - auf Kosten der Klimaziele." Sozialer Ausgleich sei essenziell, da gerade die ärmere Bevölkerung bei hohen Energiepreisen überproportional belastet werde.
Der vzbv fordert, die Bundesregierung müsse Verbraucherinnen und Verbrauchern den Wechsel von teurer werdenden fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien ermöglichen. "Die gesetzlichen Vorgaben für den Heizungstausch müssen deswegen bestehen bleiben. Genauso zentral ist die Senkung des Energieverbrauchs insgesamt und damit auch der CO2-Kosten."/hrz/DP/men
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