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ROUNDUP: Viele warten länger als 30 Tage auf Facharzt

Mon Jan 05 16:13:42 CET 2026

BERLIN (dpa-AFX) - Jeder vierte gesetzlich Versicherte wartet in Deutschland länger als 30 Tage auf einen Facharzt-Termin. 30 Prozent empfinden die Wartezeit als zu lang, wie aus einer Umfrage des Krankenkassen-Spitzenverbands weiter hervorgeht.

Die Krankenkassen fordern ein Eingreifen des Gesetzgebers. In der Koalition wird eine Beschleunigung der Terminvergabe mit vorgeschalteter Hausarzt-Pflicht versprochen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verlangt, der "Kassenärzte-Lobby" die alleinige Verantwortung für die Ärzte-Erreichbarkeit zu nehmen.

Nur jede und jeder Zweite kann laut der Umfrage innerhalb von zehn Tagen die angefragte Fachärztin oder den Facharzt sprechen. 30 Prozent der befragten Versicherten gaben an, dass es zuletzt schwierig war, einen Termin bei einem Facharzt zu erhalten. Bei den Befragten mit einem schlechten Gesundheitszustand waren es sogar 35 Prozent.

Zufrieden mit Hausärzten

In Hausarztpraxen warten hingegen 25 Prozent nur länger als drei Tage

- ein Viertel suchen ihre Hausarztpraxis ohne Termin direkt auf. Die

Wartezeiten bei Hausarztpraxen sind für 51 Prozent "genau meinen Wünschen entsprechend". 35 Prozent finden sie als "noch akzeptabel". 14 Prozent sind unzufrieden. Bei Fachärzten hingegen sind für 30 Prozent der Versicherten die Wartezeiten "zu lang" oder "viel zu lang".

Forderungen an Ärzteschaft und Politik

Die Kassen sehen "dringenden Handlungsbedarf" bei den Facharzt-Terminen, wie Verbandsvize Stefanie Stoff-Ahnis deutlich machte. Patienten wünschten sich eine mit der modernen Lebens- und Arbeitswelt vereinbare Versorgung. Stoff-Ahnis forderte auch flexible Öffnungszeiten in den Praxen.

"Wer echte Gleichbehandlung will, sollte zudem dafür sorgen, dass bei der Terminvergabe nicht mehr danach gefragt werden darf, ob jemand gesetzlich oder privat versichert ist", sagte Stoff-Ahnis. Dies ist heute in vielen Praxen der Fall - Privatversicherte erhalten oft schneller Termine.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies darauf hin, dass Vertragspraxen wöchentlich 25 Stunden erreichbar sein müssten - über Online-Portale, aber auch per E-Mail, Fax und Telefon. Rund 20 Prozent der über 65-Jährigen hätten keinen digitalen Zugang, sagte Vorstand Eugen Brysch. Auch diese Patientinnen und Patienten müssten die Praxen erreichen können. Brysch kritisierte die für den Bereich verantwortlichen Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie versagten bei der Kontrolle. Die Bundesländer müssten diesen Prozess mitsteuern.

Online-Bucher in der Minderheit

Tatsächlich vereinbart der überwiegende Teil der Patientinnen und Patienten Arzttermine laut der Umfrage immer noch persönlich oder telefonisch. Bei Hausärzten sind das 59 Prozent, bei Fachärzten 65 Prozent.

Der Kassenverband schlägt eine gesetzliche Regelung für ein tagesaktuelles Onlineportal vor. Vorher soll nach den Vorstellungen festgelegt werden, welchen Anteil ihrer Zeit die Praxen für GKV-Termine aufwenden müssen. In dem Portal sollen alle Praxen ihre Termine zur Verfügung stellen.

Koalition: Erst zum Hausarzt

Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) unterstützt Ankündigungen der schwarz-roten Koalition im Bund für schnellere Facharzt-Termine. Patienten sollen dafür zuerst zum Hausarzt gehen. "Unser Ziel ist es, dass Haus- und Kinderärzte Patientenströme besser steuern und an Fachärzte übermitteln - mit der Garantie, innerhalb von vier Wochen einen Facharzt-Termin zu bekommen", sagte Philippi der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn dies länger als vier Wochen dauert, sollen die Patientinnen und Patienten einen Termin im Krankenhaus bekommen."

Philippi hatte den schwarz-roten Koalitionsvertrag mit ausgehandelt. 2026 hat er den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD eine Termingarantie versprochen. Der Minister schlägt außerdem vor, dass Ärzte Chronikern Jahresverordnungen geben können, so dass sie nicht mehr aus Abrechnungsgründen jedes Quartal kommen müssen./bw/cwe/DP/jha

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