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Zehntausende in Berlin ohne Strom und Heizung

Sat Jan 03 13:09:08 CET 2026

BERLIN (dpa-AFX) - Kein Strom, keine Heizung, kein Internet, kein Mobilfunk - und dann zu allem Übel auch nichts zu Essen zu Hause: Eine Passantin steht am Samstagmorgen ratlos vor einem geschlossenen Aldi-Markt in Berlin-Lichterfelde. Seit dem frühen Morgen ist für gut 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe im Südwesten der Hauptstadt wegen des Brands an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal der Strom ausgefallen. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der Brandstiftung. Und wieder zeigt sich: Ohne Elektrizität läuft im Alltag wenig.

Die Ampeln sind ausgefallen, die Supermärkte geschlossen - nicht nur der Aldi am S-Bahnhof Sundgauer Straße, sondern auch die Märkte der Konkurrenz nebenan. Die Polizei ist mit Lautsprecherwagen unterwegs und informiert die Anwohner mit Ansagen. Ausgerechnet an diesem Morgen fällt Schnee in Berlin.

Alles dunkel

Am frühen Morgen fällt zunächst auf, wie Dunkel es ohne Beleuchtung in Häusern und Straßen sein kann. Bei Tageslicht sieht dann alles fast idyllisch aus. Einige Passanten in Lichterfelde vertreiben sich die Zeit mit einer Schneeballschlacht. Aber für die meisten Betroffenen ist das alles kein Spaß.

"Aufgrund des Stromausfalls kann es auch zu Heizungsausfällen kommen", schreibt die Polizei auf der Plattform X. "Prüfen Sie daher, ob Sie die Möglichkeit haben, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen. Nutzen Sie Mobiltelefone sparsam. Denken Sie an ältere oder hilfsbedürftige Personen und bieten Sie Hilfe an. Halten Sie für die Abendstunden Taschenlampen oder batteriebetriebene Leuchten bereit."

Bewohner von Pflegeheimen ziehen um

Feuerwehr-Sprecher Vinzenz Kasch sagt, die Lage sei auch deswegen herausfordernd, weil mehrere Pflegeheime und Krankenhäuser in dem Gebiet mit dem Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf lägen. Die Feuerwehr habe bereits Bewohner und Patienten von zwei Heimen in andere Heime verlegt. Nun werde geprüft, was noch nötig sei. Die ganze Lage sei sehr dynamisch.

Die Feuerwehr warnt davor, nun gasbetriebene Heizgeräte in Innenräumen zu benutzen. Sollte das Telefonnetz gestört sein, könne man sich in einem Notfall um Hilfe an die nächste Feuerwache oder Polizeiwache wenden. Auch bei Busfahrern könne ein Notruf abgesetzt werden. Berliner in anderen Stadtteilen sollten überlegen, ob Verwandte in den betroffenen Gegenden leben und möglicherweise Hilfe bräuchten.

Wie lange dauert die Reparatur?

Wann genau der Strom in den betroffenen Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde wieder fließt, kann auch der Betreiber Stromnetz Berlin zunächst nicht sagen. Teams seien dabei, die Versorgung so schnell wie möglich schrittweise wieder herzustellen, sagt Sprecher Henrik Beuster.

Was den Schaden angerichtet hat, ist schnell klar: Der Brand der Kabelbrücke über den Kanal hin zum Kraftwerk Lichterfelde am äußerten südwestlichen Stadtrand. Aber was steckt dahinter? Nach Angaben der Feuerwehr brannte zunächst ein Baucontainer unter der Kabeltrasse, die über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde führt.

Polizei prüft Verdacht

Die Polizei teilt schnell mit, dass sie wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt. Einsatzkräfte seien gegen 6.45 Uhr von einem Zeugen zu dem Brand alarmiert worden. Die Kriminalpolizei übernehme die Ermittlungen, sagt ein Sprecher vor Ort. Je nach den Ergebnissen werde womöglich auch der Staatsschutz eingeschaltet, der für politische Straftaten zuständig ist.

Die Frage nach einem möglichen politischen Hintergrund bleibt aber zunächst offen. "Wir sind ganz am Anfang der Ermittlungen", sagt der Sprecher. "Es geht jetzt hier am Ort darum, die Erkenntnisse zu verdichten. Eine Tatortgruppe des Landeskriminalamtes wird jetzt hier zum Einsatz kommen und wir werden dabei auch Drohnentechnik einsetzen."

Ähnlicher Fall im September war Brandanschlag

Von der Dimension ist dieser Stromausfall nach Angaben von Stromnetz Berlin vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins. Auch dort ging es um etwa 50.000 Kunden. Der Stromausfall zog sich über Tage hin. Ursache damals war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten./vsr/DP/he

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