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Thu Nov 05 16:23:31 CET 2026
(In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Flughafen Warschau sei am Dienstag geschlossen worden. Tatsächlich handelte es sich um den Flughafen Warschau Modlin. Der Satz wurde im 11. Absatz entsprechend korrigiert.)
LONDON/PARIS/ROM (dpa-AFX) - Zum zweiten Mal in dieser Woche führen Bombendrohungen zu Störungen im Flugverkehr in Europa. Allein am Donnerstag waren mehr als ein Dutzend Passagierflüge von den Vorfällen betroffen. Mehrere Maschinen wurden umgeleitet und von Sprengstoffexperten untersucht. Hinweise auf tatsächliche Sprengsätze wurden jedoch bislang nicht gefunden. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt und wer hinter den teils per E-Mail eingegangenen Drohungen steckt, war zunächst unklar. Behörden in mehreren Ländern sind eingeschaltet.
Unter anderem wurde ein Linienflug zwischen Dublin und Rom nach Frankreich umgeleitet. Die Maschine landete am Militärflughafen Évreux, wie das Amt des französischen Premierministers mitteilte. Die 151 Passagiere und 6 Crew-Mitglieder wurden in Sicherheit gebracht. Sprengstoffexperten waren im Einsatz. Die Luftverkehrs-Gendarmerie nahm Ermittlungen auf.
Kampfjets eskortierten Passagiermaschine
Zwischenfälle gab es zudem in Italien: Nach anonymen Hinweisen auf einen mutmaßlichen Bombenalarm an Bord landete ein Finnair-Flieger aus Helsinki von Kampfjets der italienischen Luftwaffe eskortiert am Flughafen Rom-Fiumicino. Sprengstoffexperten der Polizei leiteten Sicherheitskontrollen ein.
Eine Maschine, die am Morgen am Airport Mailand-Malpensa gestartet war, wurde nach Angaben von Ansa wegen einer während des Fluges eingegangenen Bombendrohung nach Wien umgeleitet und landete dort.
Ein österreichischer Polizeisprecher bestätigte die Landung. Zuvor sei in Polen eine E-Mail mit einer Bombendrohung eingegangen. In Wien wurde jedoch keine Gefährdung festgestellt. Das Flugzeug konnte seine Reise nach Warschau fortsetzen.
Dem Sprecher zufolge handelte es sich um eine "abstrakte" Drohung. Auch in Wien sei eine E-Mail mit einer solchen Drohung gegen vier Flüge von und aus der österreichischen Hauptstadt eingegangen. Mit dem Flug aus Mailand habe das aber inhaltlich nichts zu tun gehabt.
Anti-Terror-Einheiten und Geheimdienst ermitteln
Am Flughafen Kopenhagen gab es Drohungen gegen zwei Flüge. Auch hier wurde bei der Durchsuchung der Flugzeuge aber nichts Verdächtiges gefunden, wie die Polizei der Nachrichtenagentur Ritzau mitteilte: "Nach unserer Einschätzung besteht beziehungsweise bestand keine Gefahr für Passagiere oder andere Personen, die sich am Flughafen aufhalten."
Mehrere Bombendrohungen beeinträchtigten auch den Flugverkehr in der tschechischen Hauptstadt Prag. Man habe Warnungen über improvisierte Sprengsätze an Bord von vier Flugzeugen erhalten, teilte die Polizei bei X mit. Nach der Landung auf dem Vaclav-Havel-Flughafen wurden die Maschinen von Spezialisten durchsucht. Später gab es Entwarnung. Die Polizei stehe im Kontakt mit Partnern im Ausland, teilte Innenminister Lubomir Metnar mit. Die nationale Sondereinheit für den Kampf gegen Terrorismus, Extremismus und Cyberkriminalität übernahm die Ermittlungen.
Drei Flugzeuge der Gesellschaft Ryanair bekamen auf dem Weg nach Bulgarien Bombendrohungen, wie die bulgarische Nachrichtenagentur BTA unter Berufung auf das Verkehrsministerium in Sofia berichtete.
Auch in Rumänien gab es einen Vorfall: Eine Maschine der Gesellschaft Wizz Air bekam auf ihrem Flug von Mailand nach Bukarest eine Bombendrohung, landete aber sicher und planmäßig in Rumäniens Hauptstadt, wie die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax berichtete. Der Inlandsgeheimdienst SRI untersuche das Flugzeug, hieß es.
"Böswillig vorgetäuschte Drohungen"
Bereits am Dienstag war es zu einer Reihe ähnlicher Vorfälle gekommen. Der Flughafen Warschau Modlin musste deswegen vorübergehend geschlossen werden.
Die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol teilte auf dpa-Anfrage mit, sie beobachte die Lage und arbeite eng mit Fluggesellschaften, Flughäfen, Flugsicherungsorganisationen und weiteren Einrichtungen in Europa zusammen, um mögliche Beeinträchtigungen des Luftverkehrs zu begrenzen.
Ein britischer Regierungssprecher hatte im Zusammenhang mit mehreren am Dienstag betroffenen Flügen aus Großbritannien von "böswilligen vorgetäuschten Drohungen" gesprochen. Die Londoner Polizei bestätigte, dass ihre Luftfahrteinheit die Situation beobachte. Der "Guardian" zitierte zu den Vorfällen früher in der Woche Ermittlerkreise in Großbritannien, wonach es keine unmittelbaren Hinweise auf einen staatlichen Akteur gebe. Ein Experte sagte der Zeitung, es komme täglich zu falschen Drohungen gegen Passagierflüge. Dass Flüge umgeleitet wurden, lege aber nahe, dass die Drohungen glaubhaft und spezifisch gewesen seien.
Auch in der Vergangenheit gab es Häufungen
Im europäischen Luftverkehr kommt es immer wieder zu Bombendrohungen. Im Oktober 2026 musste ein Austrian-Airlines-Flug von Tel Aviv nach Wien nach Sofia ausweichen. Bei der Durchsuchung wurde keine Gefahr festgestellt. Im Januar 2026 löste ein Passagier auf einem Turkish-Airlines-Flug nach Barcelona mit dem Namen seines WLAN-Hotspots, der eine Bombendrohung enthielt, einen Alarm aus. Sprengsätze wurden nicht gefunden.
Häufungen fanden sich in den Vorjahren: Im Herbst 2023 erfassten die Behörden bundesweit mehr als 250 Bombendrohungen, unter anderem gegen den Hamburger Flughafen. Im Oktober 2023 wurden in Frankreich wiederholt Regionalflughäfen vorübergehend evakuiert, am 19. Oktober allein elf. Im März 2020 gab es in Russland an einem Tag Bombendrohungen gegen sieben Passagierflüge. Alle Maschinen landeten planmäßig, Sprengsätze wurden nicht gefunden./rbo/DP/zb
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