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Fri Mar 06 16:46:17 CET 2026
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die durch den Iran-Krieg geweckten Inflations- und Konjunktursorgen bleiben auch in der neuen Woche der Dreh- und Angelpunkt für die Aktienmärkte. Mittlerweile forderte US-Präsident Donald Trump eine "bedingungslose Kapitulation" des Iran. Wirtschaftsdaten rückten bereits in der alten Woche ein Stück weit in den Hintergrund, abgesehen vom monatlichen US-Arbeitsmarktbericht, der einige Zweifel an der konjunkturellen Verfassung des Landes aufkommen ließ.
Zwar erschwerten verzerrende Effekte etwa durch Streiks die Interpretation der Jobdaten, positiv sind sie in Summe aber nicht, erklärte Experte Tobias Basse von der NordLB. In jedem Fall stehe die US-Notenbank unter Handlungsdruck, zügigere Zinssenkungen seien möglich.
Dem gegenüber stehen die Ungewissheiten mit Blick auf die Eskalation des Nahost-Konflikts und die dadurch gestiegenen Öl- und Gaspreise. Die bringen Inflationsgefahren mit sich, was in der Tendenz gegen niedrigere Zinsen spricht. Ein schnelles Kriegsende würde daher deutliche Erleichterung an die Finanzmärkte bringen, entsprechend große Risiken birgt ein längerer Konflikt.
Irans Kampfkraft ist nach US-Einschätzung infolge der Attacken durch die USA und Israel zwar erheblich geschwächt, dennoch versucht die iranische Führung, den Krieg im gesamten Nahen Osten auszuweiten, Öl- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten werden ins Visier genommen. Auch ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus - einem Nadelöhr des globalen Öl- und Gashandels - laut der Marineberatungsgruppe Joint Maritime Information Center (JMIC) mittlerweile nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.
"Eine knappe Woche nach Beginn des Iran-Kriegs ist sein Ende nicht absehbar", schreiben die Volkswirte Christoph Balz und Marco Wagner von der Commerzbank in ihrer Markteinschätzung. Zwar gehen sie in ihrem "Basisszenario" davon aus, dass der Krieg und damit die Behinderungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus nur wenige Wochen andauern werden.
"Angesichts des von der US-Regierung und der israelischen Regierung immer wieder genannten Ziels eines "Regime-Wechsels" besteht allerdings das Risiko, dass sich die Angriffe der USA und Israels über einige Monate hinziehen und damit auch den Transport von Öl und Gas länger behindern werden", so die beiden Experten.
Im Extremfall könnte nach ihrer Einschätzung sowohl bei Öl als auch bei Flüssiggas ein Fünftel der weltweiten Produktion nicht mehr auf den Weltmarkt kommen. Der Ölpreis könnte dann auf 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter) steigen. Zum Vergleich: In der nun endenden Woche legte der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai bereits um rund ein Viertel auf zuletzt um die fast 91 Dollar zu.
Ein fortgesetzter und vor allem nachhaltiger Ölpreisanstieg würde die Inflation wohl wieder nach oben treiben. Im Euroraum wäre dann eine Teuerungsrate von 3 Prozent denkbar, die das Wirtschaftswachstum bremsen würde, so Balz und Wagner. Die Europäische Zentralbank würde in Zugzwang geraten.
Wie Finanzkontrakte an den Terminmärkten zeigen, rechnen Investoren denn auch bereits mit einer Leitzinserhöhung durch die EZB um 0,25 Prozentpunkte im zweiten Halbjahr.
Allerdings ist es noch längst nicht so weit. So geht auch Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, in seinem Basisszenario von einem eher kurzen, höchstens dreimonatigen Krieg aus. "Ein viel schnelleres Kriegsende erscheint uns weniger realistisch, eine viel längere Dauer mit etwa einer monatelangen Schließung der Straße von Hormus Stand heute ebenfalls." Die Ölpreise - und damit auch die Inflation - wären dann auch nur kurz erhöht.
Wenngleich die Februar-Daten die Nahost-Krise noch nicht widerspiegeln, werden die Finanzmarktakteure ihre Blicke zur Wochenmitte auf Inflationsdaten aus den USA richten. Auf den ersten Blick ließ der Inflationsdruck zuletzt deutlich nach und die für Februar erwarteten Daten würden normalerweise wohl auf ein weitgehendes Erreichen des Inflationsziels der US-Notenbank Fed deuten, so Balz. Das liegt bei 2 Prozent.
Eigentlich, betont Balz. Denn: Die für Januar noch nicht veröffentlichte sogenannte PCE-Kernrate - das bevorzugte Inflationsmaß der Fed - dürfte mindestens bei 3,1 Prozent liegen. "Folglich sollte auch ein relativ günstiger Bericht zu den Verbraucherpreisen mit Vorsicht interpretiert werden. Der immer einige Wochen später veröffentlichte PCE-Deflator sollte ein ungünstigeres Bild zeichnen."
Auf der Unternehmensseite geht indes die Berichtssaison weiter. Neben den Resultaten für 2025 interessiert Anleger vor allem, wie die Unternehmen auf das neue Jahr blicken und ob sie bereits mögliche Folgen des Iran-Krieges abschätzen können.
Am Dienstag öffnet der Autobauer Volkswagen seine Bücher, in den USA blicken Anleger zudem auf Quartalszahlen des Soft- und Hardwarekonzern Oracle und dessen Fortschritte bei seiner KI-Offensive.
Zur Wochenmitte folgen aus dem Dax der Konsumgüter- und Klebstoffkonzern Henkel und das Rüstungsunternehmen Rheinmetall , bevor sich am Donnerstag der Online-Modehändler Zalando , der Energiekonzern RWE , der Lkw-Bauer Daimler Truck sowie der Rückversicherer Hannover Rück zur Geschäftsentwicklung äußern werden./mis/ag/men/jha/
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