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ROUNDUP: Iran-Krieg, Zölle, Kosten - Industrie warnt vor Dauerkrise

Mon Apr 20 08:51:13 CEST 2026

HANNOVER (dpa-AFX) - Die Industrie fordert auf der Hannover Messe von der Bundesregierung spürbare Reformen. "An die Stelle von kurzfristigem Krisenmanagement müssen durchdachte, strukturelle Reformen treten, die dauerhafte Wachstumsimpulse schaffen", sagte der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Bertram Kawlath, zum Auftakt der Hannover Messe. "Der Reformstau muss endlich aufgelöst werden", forderte der Präsident des Elektro- und Digitalindustrieverbandes ZVEI, Gunther Kegel.

Wenn die Politik in Brüssel und Berlin jetzt nicht umsteuere, werde der langfristige Schaden in der Industrie nicht mehr behebbar sein, warnte Kawlath. "Die Grenzen der Leidensfähigkeit sind erreicht." Angesichts der vielen Belastungen, zuletzt nochmals erhöht durch die Folgen des Iran-Kriegs und der US-Zollpolitik, brauche es eine echte Kehrtwende. "Unser Standort ist zu teuer und unflexibel, das lässt sich mit keinem Fleiß und keinem Erfindergeist mehr kompensieren."

Die Unternehmenssteuern müssten gesenkt, die Sozialversicherungsbeiträge gedeckelt und die Regeln für die Wochenarbeitszeit gelockert werden. Und auch das Rentenalter sollte mit der Lebenserwartung steigen, forderte Kawlath. "Die Politik muss den Mut haben, allen etwas abzuverlangen." Bisher würden die Reformen viel zu zaghaft angegangen. "Hinzu kommen neue Belastungen, die unsere Mitglieder zur Verzweiflung bringen."

Iran-Krieg bremst Stimmung

Dabei hatte sich die Stimmung der Unternehmen bis Ende 2025 nach und nach verbessert. "Im ersten Quartal 2026 drehte sich der Wind dann aber wieder", berichtet Kawlath. "Die Risiken des Iran-Krieges, US-Zölle, dauerhaft erhöhte Energiepreise, eine allgemein höhere Inflation und Störungen in den Lieferketten heizen die nach wie vor hohe Unsicherheit weiter an."

Für 2026 geht der VDMA aber weiter von einer leichten Erholung und einem Plus bei der Produktion beim Maschinen- und Anlagenbau um ein Prozent aus. In der Elektro- und Digitalindustrie rechnet dessen Branchenverband ZVEI sogar mit zwei Prozent mehr Produktion - vorausgesetzt allerdings, die Lage im Iran normalisiert sich bis Mitte des Jahres. Der Trend sei aber positiv, sagte ZVEI-Präsident Kegel. "Und wir hoffen, dass die Hannover Messe diesen Trend verstärken wird."

Rüstung als Chance

Hoffnung machen der Industrie die geplanten Milliardeninvestitionen in Verteidigung. Die Maschinen- und Anlagenbauer stellten zwar nicht selbst Waffen her, könnten aber als Ausrüster helfen, die Produktion hochzufahren, sagte Kawlath. Aktuell mache die Branche geschätzt etwa zwei bis fünf Prozent ihres Umsatzes in diesem Bereich. Das, so die Prognose des Verbands, lasse sich innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppeln.

Weiteren Schub erwarten die Fabrikausrüster auch von den Trends zu Künstlicher Intelligenz (KI) und humanoiden Robotern. "Technologisch herrscht Aufbruchstimmung", sagte ZVEI-Chef Kegel. Die Industrie stehe an der Schwelle des nächsten großen industriellen Entwicklungsschritts. Humanoide Roboter in der Industrie seien hier eine große Chance. VDMA-Chef Kawlath: "Jetzt entscheidet sich, ob Europa Gestalter eines neuen industriellen Ökosystems wird - oder vor allem Anwender fremder Technologien."

Mehr als 3.000 Aussteller dabei

Mehr als 3.000 Aussteller aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft zeigen bis Freitag auf der Hannover Messe ihre Neuheiten. Hauptthemen sind der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals mit einem eigenen Themenschwerpunkt vertreten ist der Bereich Rüstung.

Vertreten sind auch zahlreiche Technologie-Firmen wie Microsoft , SAP und Siemens . Hinzu kommen Mittelständler und zahlreiche Start-ups. 2025 kamen 127.000 Besucher zu der weltweit wichtigsten Industrieschau./fjo/DP/nas

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