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Deutsche Börse-News: Europa vor USA - "eine seltene Entwicklung" (Ausblick)

Mon Nov 02 12:04:05 CET 2026

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Die neue Woche steht ganz im Zeichen der morgigen US-Zwischenwahlen. Außerdem geht es nach dem jüngsten Ausverkauf von Tech-Aktien weiter um die KI-Bewertungen. Ausnahmsweise hängen Europas Märkte einmal die US-Märkte ab.

2. November 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Während US-Tech-Aktien fallen und fallen, schlägt sich der DAX (DE0008469008) vergleichsweise gut. Die am Donnerstag erreichten Niveaus über 26.000 Punkte konnte der Index zwar nicht halten, schloss die Woche aber mit 25.782 Zählern - immer noch der höchste Stand seit Anfang September. Am Montagmorgen sind es gut 25.850 Zähler. "Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich weiter auf", stellt Ulrich Kater von der DekaBank fest. Er verweist auf den ifo-Geschäftsklimaindex, der im Oktober zum sechsten Mal in Folge gestiegen ist - auf den höchsten Stand seit Mai 2023.

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"Seit Beginn der Berichtssaison hat der europäische Aktienmarkt klar zugelegt. Dagegen hat der S&P 500 verloren", erklärt er und spricht von einer "in den vergangenen Jahren seltenen Entwicklung". Zwar lägen US-Unternehmen mit 32 Prozent Gewinnwachstum im dritten Quartal noch vor den europäischen mit über 25 Prozent. Doch hätten einige US-Tech-Schwergewichte im Kerngeschäft und den Ausblicken enttäuscht. "Daher blieben US-Halbleiteraktien zuletzt sogar rund 20 Prozent hinter europäischen Aktien zurück."

Rekordkurssturz von Intel

Am Freitag ging es für den Nasdaq 100 (US6311011026) sogar rasant nach unten. Jüngster Auslöser: die Zahlen und Ausblicke von Amazon (US0231351067) und Intel (US4581401001). "Die Abwärtsbewegung beschleunigte sich, als Intel nach der Vorlage enttäuschender Quartalszahlen einen Rekordkurssturz um 28,6 Prozent erlebte und zahlreiche weitere Titel aus dem Halbleiteruniversum mit in die Tiefe zog", berichtet LBBW-Analyst Berndt Fernow.

Insgesamt lastet zudem der hohe Ölpreis auf den Börsen. Das Barrel Brent (XC0009677409) kostet wegen der Sorgen um eine weitere Eskalation im Nahen Osten aktuell 111 US-Dollar. Verloren haben zuletzt Gold und Bitcoin. Die Feinunze Gold (XC0009655157) wird jetzt nur noch zu 3.900 US-Dollar gehandelt, der Bitcoin wegen des milliardenschweren Hackerangriffs auf die Kryptobörse Binance zu 78.000 US-Dollar.

"Geteilte US-Regierung besser"

Höhepunkt der Woche dürften allerdings die Kongresswahlen in den USA sein. Die Commerzbank geht davon aus, dass die Demokraten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das Repräsentantenhaus gewinnen und wohl auch eine Mehrheit im Senat erringen werden. "Eine ?geteilte Regierung? war in den vergangenen 50 Jahren eher die Regel als die Ausnahme", stellt Analyst Bernd Weidensteiner fest. Für die Kapitalmärkte sei das sogar gut gewesen - wohl weil extremen ideologischen Ansätzen der Boden entzogen war. "So legte der S&P 500 seit 1969 im Durchschnitt bei einem ?Divided Government? mit 9 Prozent pro Jahr stärker zu als bei einem ?Unified Government? mit 5 Prozent", erklärt er.

"Für Märkte könnte es ungemütlich werden"

Erst einmal könnte es aber schwierig werden, meint Yannik Mosbach von Metzler Research. "Sollte es zu einem Wahlsieg der Demokraten kommen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Trump das Ergebnis nicht anerkennen wird", bemerkt er. Für die Märkte dürfte es vor allem dann ungemütlich werden, wenn es dabei nicht bei verbalen Attacken bliebe, sondern tatsächlich Wahlergebnisse einzelner Staaten nicht akzeptiert würden.

Gleichzeitig läuft die Berichtssaison weiter. In den USA stehen die Zahlen von Apple im Mittelpunkt, außerdem legen Palantir und AMD ihre Bücher offen. Hierzulande berichten unter anderem Bayer, Lufthansa, BMW, Deutsche Telekom, Commerzbank und DHL. Ebenfalls wichtig: die US-Arbeitsmarktzahlen am Freitag.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 3. November

USA: Zwischenwahlen zum Kongress. Die Wahlergebnisse liegen voraussichtlich am Mittwochmorgen deutscher Zeit vor.

Mittwoch, 4. November

11.00 Uhr. Eurozone: Verbraucherpreise Oktober. Die Commerzbank rechnet mit 3,8 Prozent, für die Kernrate mit 2,5 Prozent.

Donnerstag, 5. November

8.00 Uhr. Deutschland: Auftragseingänge September. Die bessere Stimmung bei den Industrieunternehmen macht Hoffnung, meint die Commerzbank und erwartet ein kräftiges Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vormonat.

11.00 Uhr. Großbritannien: Zinsentscheid der Bank of England. Angesichts anhaltend hoher Energiepreise und robustem Wirtschaftswachstum steigt laut DekaBank der Handlungsbedarf. Sie rechnet mit einer Leitzinsanhebung auf 4 Prozent.

Freitag, 6. November

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion September. Im August stieg die Produktion im produzierenden Gewerbe Deutschlands der DekaBank zufolge unerwartet kräftig an, dank eines außergewöhnlich starken Wachstums in der Bauwirtschaft. Im September rechnet sie nun mit einem bremsenden Rückprall.

14.30 Uhr. USA: Arbeitsmarktzahlen Oktober. In den USA schwankten die Beschäftigungszuwächse in den letzten Monaten erheblich, wie die Commerzbank feststellt. Im Trend habe die Beschäftigung leicht zugelegt. Das reiche wegen der inzwischen deutlich verringerten Zuwanderung aus, um die Arbeitslosenquote bei niedrigen 4,2 Prozent stabil zu halten. Für Oktober prognostiziert sie einen Stellenzuwachs um 60.000.

Von Anna-Maria Borse, 27. Oktober 2026, © Deutsche Börse AG

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