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ROUNDUP 2/Neuer Milliardendeal: Merck übernimmt US-Unternehmen Bio-Techne

Thu Jun 25 14:31:26 CEST 2026

(neu: mehr Hintergrund, Aussagen aus der Pressekonferenz, Kurs)

DARMSTADT/MINNEAPOLIS (dpa-AFX) - Der Pharma- und Technologiekonzern Merck baut sein Geschäft mit Laborausrüstung mit einer der größten Übernahmen in der Unternehmensgeschichte aus. Der Dax -Konzern übernimmt den Anbieter von Life-Science-Werkzeugen und Analysetechnologien Bio-Techne mit Sitz in Minneapolis für knapp zehn Milliarden Euro, wie Merck am Donnerstag mitteilte.

An der Börse legte die Merck-Aktie nach einem kurzen Schwenk ins Minus um 1,3 Prozent zu. Bio-Techne schnellten im vorbörslichen US-Handel um fast ein Fünftel hoch.

Wie Merck mitteilte, bekommen die Aktionäre von Bio-Techne 73 US-Dollar je Aktie in bar. Dies entspricht den Angaben zufolge einem Unternehmenswert von rund 11,3 Milliarden Dollar (rund 9,9 Mrd Euro). Die geplante Übernahme sei vom Management beider Unternehmen bereits genehmigt und soll Ende 2026 oder Anfang 2027 abgeschlossen sein. Damit werde voraussichtlich auch die Börsennotierung von Bio-Techne enden, hieß es auf der Pressekonferenz von Merck. Aufsichtsbehörden sowie die Aktionäre des US-Unternehmens müssen dem Deal aber noch zustimmen.

Die geplante Übernahme werde zwei führende und sich stark ergänzende Life-Science-Unternehmen vereinen, erklärte der Konzern. Der neue Merck-Chef Kai Beckmann sprach von einem "Meilenstein". "Bio-Techne passt hervorragend zu uns und steht in direktem Einklang mit unserer strategischen Ausrichtung, die darauf abzielt, hochmoderne Produkte und Lösungen für die gesamte Life-Science-Wertschöpfungskette anzubieten."

Bio-Techne erzielte den Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von mehr als 1,2 Milliarden Dollar und beschäftigt weltweit rund 3.000 Menschen. Mit der Übernahme stärke Merck seine Laborsparte in wachstumsstarken Bereichen wie Zell- und Gentherapien und Präzisionsdiagnostik, Spezialbiologie und fortschrittlichen Therapien, sagte Spartenchef Jean-Charles Wirth. Das Unternehmen bringe mehr als 6.000 Proteine und 5.000 Antikörper in das Portfolio ein und stärke Merck insbesondere in der biologischen Forschung. Kunden könnten damit künftig stärker integrierte Lösungen aus einer Hand erhalten.

Finanziert werden soll die Übernahme durch Barmittel und neue Kredite. Merck erwartet bis zum dritten Jahr nach Abschluss der Übernahme jährliche Kostensynergien von rund 140 Millionen Euro. Diese will der Konzern vor allem durch eine engere Zusammenarbeit beider Unternehmen erzielen. Dabei soll etwa die globale Life-Science-Plattform von Merck dabei helfen, die Produkte von Bio-Techne den Kunden der Darmstädter zugänglich zu machen, wie Finanzvorständin Helene von Roeder erläuterte. "Wir erwarten von Bio-Techne mittelfristig ein Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich", ergänzte sie.

Zudem soll die Übernahme nach dem Abschluss unmittelbar die operative Marge von Merck steigern und spätestens ab dem dritten Jahr auch sich positiv auf den bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) des Konzerns auswirken.

Seine letzte große Akquisition hatte Merck mit der Übernahme des US-Krebsspezialisten Springwork Therapeutics im vergangenen Sommer für rund 3,4 Milliarden Dollar gestemmt. Größte Übernahme der Darmstädter war der Kauf des Laborausrüsters Sigma-Aldrich im Jahr 2015 für 17 Milliarden Dollar, umgerechnet gut 13 Milliarden Euro.

Schon seit längerem hielt Merck Ausschau nach einer weiteren Ergänzung für seine Laborsparte. Grund dürfte auch die jüngste Entwicklung im Segment gewesen sein: Das Life-Science-Geschäft - das größte Standbein des Konzerns - hatte nach einem Boom in der Corona-Pandemie unter einem Nachfrageknick gelitten, von dem es sich inzwischen aber langsam erholt.

Obwohl Kai Beckmann, der bereits seit 1989 bei Merck ist, schon einige Übernahmen des Konzerns begleitet hat, ist Bio-Techne die erste unter seiner Konzernleitung. Der Manager stand der auf Halbleitermaterialien spezialisierten Elektrosparte vor, bevor er Anfang Mai auf den Spitzenposten des Unternehmens rückte. Die Vorarbeiten zu dem aktuellen Milliardendeal dürften daher noch unter seiner Vorgängerin Belen Garijo gemacht worden sein, die inzwischen den französischen Pharmakonzern Sanofi leitet. Auf Nachfrage wollte Beckmann sich dazu aber nicht äußern und sagte nur: "Wir kennen das Unternehmen seit längerem".

Derweil sollen auch in Zukunft Akquisitionen ein wichtiger Bestandteil der Konzernstrategie bleiben, wie Beckmann weiter ausführte. Merck werde jedoch wie bisher auch künftig diszipliniert vorgehen und nur bei strategisch wie finanziell attraktiven Gelegenheiten zugreifen./tav/als/nas/jha/

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