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Thu Jun 11 12:49:40 CEST 2026
(neu: Kurse, Hintergrund und Experten-Stimmen)
NEW YORK/FRANKFURT (dpa-AFX) - Zweifel an der Profitabilität der massiven Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) haben am Donnerstag die Aktien des US-Software- und Datacenter-Konzerns Oracle stark belastet. Die Papiere sackten im vorbörslichen US-Handel um mehr als sieben Prozent ab. Auch Branchenwerte gerieten unter Druck.
Oracle hatte zwar im vierten Geschäftsquartal weiter deutlich Schwung von den KI-Ausgaben seiner Kunden bekommen. Anleger störte es aber, dass der Kapitalbedarf für das Rennen um einen schnellen Ausbau der KI-Rechenkapazitäten auch bei Oracle riesig ist. So hatte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr weitaus mehr für Investitionen vorwiegend für KI-Technik ausgegeben als veranschlagt und am Markt erwartet, was bei Anlegern Bedenken hinsichtlich der Rentabilität des Geschäfts mit KI-Infrastruktur aufkommen ließ.
Nun stünden Oracle weitere hohe Geldabflüsse bevor, um die Kapazitäten für den wachsenden Auftragsbestand aufzubauen, schrieben die Experten des Analysedienstes Vital Knowledge. Das werde mehr Schulden und Eigenkapital benötigen.
Auch Marktbeobachter Stephen Innes äußerte sich skeptisch: "Oracle gerät in eine Vertrauenskrise." Zwar sei der vertraglich gesicherte Auftragsbestand beeindruckend, doch die hohen Investitionsausgaben, ein negativer freier Cashflow und ein neuer Finanzierungsbedarf veränderten die Debatte um die Bewertung der Aktien.
"Der Markt steht der KI-Story nach wie vor positiv gegenüber, ist jedoch nicht mehr bereit, dafür jeden Preis zu zahlen", fuhr Innes fort. Die Art von Kursbewegungen zeige, dass der überlaufene Tech-Sektor immer noch zu viel Hoffnung sowie zu viel Hebelwirkung mit sich bringe und nicht genug Spielraum für Enttäuschungen lasse.
Optimistischer gestimmt ist Experte Brent Thill vom Analysehaus Jefferies. Zwar habe Oracle das Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2027 trotz des steigenden Auftragsbestandes unverändert gelassen. Das könnte die Bullen unter den Anlegern zunächst enttäuschen, rieche aber nach einer Aufstockung im weiteren Verlauf.
Gleichwohl zogen Investoren erst einmal negative Schlüsse für die Branche. So büßten hierzulande die Aktien des auf die Baubranche spezialisierten Softwareanbieters Nemetschek 3,6 Prozent ein. Die Papiere von SAP weiteten ihre jüngsten Kursverluste aus und fielen als Schlusslicht im Dax um gut 4,1 Prozent auf 143,56 Euro. Der deutsche Leitindex legte zuletzt etwas zu.
Mittlerweile hat sich das Chartbild für SAP deutlich eingetrübt. Nachdem zur Wochenmitte bereits die für den kurzfristigen Trend relevante 21-Tage-Durchschnittslinie unterschritten wurde, folgte nun der Rutsch unter die 50-Tage-Linie. Diese beschreibt die mittelfristige Entwicklung. Die viel beachtete 200-Tage-Linie als Maß für den langfristigen Trend wurde bereits im August gerissen.
Analyst Toby Ogg von der US-Bank JPMorgan analysierte die Oracle-Zahlen hinsichtlich ihrer Rückschlüsse für SAP. So wies der Experte darauf hin, dass bei den Amerikanern der Schwung bei den sogenannten Cloud-Apps erstmals in diesem Geschäftsjahr etwas nachgelassen habe. Diese Unternehmenssoftware automatisiert zentrale Prozesse und basiert auf KI, um Arbeitsabläufe zu beschleunigen und datenbasierte Entscheidungen zu ermöglichen.
Der nachlassende Schwung bei Oracles Cloud-Apps sendet Ogg zufolge auch ein leicht negatives Signal für die kurzfristigen Aussichten der Walldorfer in ihrem Geschäft mit Unternehmenssoftware zur Steuerung und Automatisierung der Geschäftsabläufe. Der Experte erinnerte daran, dass der jüngste Bericht des Software-Riesen Microsoft ähnlich zu werten gewesen sei./la/ajx/jha/
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