Nachrichten Detail

Enthaltene Instrumente

HINTERGRUND: Chinesische Marken drängen nach Deutschland und Europa

Tue Apr 21 07:35:02 CEST 2026

MÜNCHEN/PEKING (dpa-AFX) - Chinesische Automarken gewinnen in Deutschland und Europa immer mehr an Boden. Im ersten Quartal waren sie für rund 3,1 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland verantwortlich, wie sich aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes ablesen lässt. Das ist zwar nur ein kleiner Anteil, doch er wächst schnell: Im Gesamtjahr 2025 waren es 2,4 Prozent, 2024 erst 1,7 Prozent.

Vor allem zwei Marken liegen aktuell vorne: BYD und MG Rowe, die im ersten Quartal zusammen deutlich mehr als die Hälfte der chinesischen Neuzulassungen in Deutschland ausmachen. Europäische Marken in chinesischer Hand wie Volvo oder Smart sind dabei nicht mitgezählt.

Auf EU-Ebene sind die chinesischen Marken noch stärker. Die Zahlen des Branchenverbandes ACEA für Januar und Februar - März liegt noch nicht vor - zeigen alleine für BYD einen Marktanteil von 1,8 Prozent und für die MG-Mutter SAIC, zu der auch noch Maxus gehört, 1,9 Prozent.

Händlernetze schieben den Absatz an

"Die machen unheimlich Druck", sagt Stefan Reindl, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Ein zentrales Element dabei ist der Autohandel, denn einige chinesischen Marken haben inzwischen relevante und schnell wachsende Händlernetze aufgebaut. 180 Standorte waren es vor einigen Wochen bei MR Roewe, rund 155 bei BYD und inzwischen könnten es schon mehr sein, sagt Reindl. Dazu kommt die Firma Leapmotor, die durch eine Kooperation mit Stellantis inzwischen auf etwa 120 Standorte kommt. "Die Marken haben erkannt, dass es für Erfolg in Deutschland ein Händlernetz braucht, zur Sichtbarkeit und für Beratungsmöglichkeiten vor Ort."

Burkhard Weller, dessen Wellergruppe mit 42 Standorten zu den großen deutschen Autohändlern gehört, hat zusätzlich zu seinen Hauptmarken BMW und Toyota inzwischen an 12 Standorten BYD und an 10 Standorten MG Rowe im Angebot. "Wir sind sehr zufrieden", sagt er. "Der Absatz läuft gut, die Kunden kommen sehr bewusst zu uns und haben sich in der Regel auch schon intensiv mit den chinesischen Marken beschäftigt." Beide Marken seien auf ihn zugekommen. "Wir haben uns das genau angeschaut und sind überzeugt, die richtigen an Bord zu haben." Auch andere große Gruppen haben BYD oder MG ins Portfolio aufgenommen.

Nicht alle werden bleiben

Die Aussichten auf weiteres Wachstum sind für die stärkeren chinesischen Marken in Deutschland also durchaus gut. Reindl geht davon aus, dass sich nicht alle, die aktuell hierzulande antreten, etablieren werden. "Eher fünf bis sechs Marken - mit einem Marktanteil von insgesamt vielleicht acht bis zehn Prozent", erwartet er. Der Deutsche Markt sei anspruchsvoll und wettbewerbsintensiv - und man dürfe die hohe Loyalität und Präferenz zugunsten heimischer Marken nicht unterschätzen. Einen Teil ihres aktuellen Wachstums verdankten die Marken zudem hohen Eigenzulassungen auf den Handel und Verkäufen an Autovermieter mit Hilfe hoher Preisnachlässe. Zu solchen Mitteln greifen Autohersteller, um den Absatz anzuschieben. Sie sind aber teuer.

Im Straßenbild sind chinesische Marken noch recht selten. Von den 49,5 Millionen Autos, die hierzulande am 1. Januar zugelassen waren, stellen sie nur 131.000 - das sind 0,26 Prozent. Die Tendenz ist aber schnell steigend.

Harter Wettbewerb auf dem Heimatmarkt

In China selbst wächst der Druck auf die Autohersteller, Fahrzeuge im Ausland abzusetzen. Der heimische Markt bleibt hart umkämpft, Preisschlachten unter den Herstellern zehren an den Margen. Umso stärker boomt das Exportgeschäft, vor allem bei elektrifizierten Fahrzeugen.

Im März verschifften chinesische Autobauer laut dem chinesischen Branchenverband CPCA rund 349.000 Elektro- und Hybridautos ins Ausland, ein Plus von knapp 140 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Chinesische Autohersteller haben in Deutschland deutliche Fortschritte gemacht, und ein weiteres Vordringen ist zu erwarten", sagt Cui Dongshu, Generalsekretär des CPCA.

Krieg im Nahen Osten sorgt für Rückenwind

Die Unruhen im Nahen Osten könnten den Trend zusätzlich beschleunigen. "Die Verwerfungen an den Energiemärkten haben die Nachfrage nach Elektromobilität global befeuert, gerade auch in Europa und Deutschland", meint Peter Fintl, Autoexperte bei der Technologieberatung Capgemini. "Der Ölpreis öffnet die Tür, das bessere Produkt hält sie offen." Gemeint ist aus seiner Sicht, dass die Modelle spürbar besser geworden sind und Käufer heute deutlich mehr Elektroauto fürs Geld bekommen als noch vor zwei Jahren.

Auch Nicola Borgo von der Beratung Arthur D. Little sieht eine verbesserte Ausgangsposition chinesischer Anbieter: Steigende Ölpreise beschleunigten die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, während europäische Produzenten gleichzeitig unter erhöhtem Kostendruck stünden.

Pekinger Automesse zeigt Neuheiten

Neue Modelle und Expansionspläne dürften in dieser Woche auch auf der Pekinger Automesse Auto China 2026 eine große Rolle spielen.

Was bremst, sind zwar die seit 2024 geltenden EU-Zusatzzölle auf E-Autos aus China. Bislang scheinen sie den Vormarsch chinesischer Marken in Europa aber nicht gestoppt zu haben. Zugleich treiben einige Hersteller ihre Produktion in Europa voran. Ein Trend, den auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer beobachtet. "Die Dominanz von China wird in den nächsten Jahren "exportiert" werden", schreibt er in einer aktuellen Studie. "Es ist ein ähnliches Modell, wie das der Japaner vor 50 Jahren oder der Deutschen vor 70 Jahren."

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der auch im VW -Aufsichtsrat sitzt, hat unterdessen bereits eine weitere Option ins Spiel gebracht: den Bau von chinesischen Autos in den deutschen VW-Werken. Man könne nicht verhindern, dass chinesische Autobauer verstärkt in den europäischen Markt drängen, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Für ihn stehe aber auch im Fokus, die Beschäftigung in deutschen VW-Werken zu sichern und Produktionsstätten auszulasten.

Derweil bringen sich in China bereits weitere Hersteller für den Markteintritt in Deutschland in Stellung. Experte Fintl erwartet keinen plötzlichen Umbruch, sondern eine schrittweise Verschiebung: "Nicht als Tsunami, sondern als steigende Flut. Langsamer, als in China erhofft wird, aber nachhaltiger und kraftvoller, als man in Wolfsburg, Paris oder Turin fürchtet."/jpt/DP/stk

Wertentwicklungen (Performances) und Renditechancen werden ohne Berücksichtigung der jeweiligen Produkt-, Dienstleistungskosten und Zuwendungen angezeigt. Diese und deren Auswirkungen auf die Performance und Renditechance des Instruments erhalten Sie kundenindividuell vor Ihrer Transaktion oder im Rahmen Ihrer Beratung bei der HypoVereinsbank.

Alle Angaben ohne Gewähr. Die Informationen auf dieser Seite stellen weder eine Anlageberatung, noch ein verbindliches Angebot dar und dienen ausschließlich der eigenverantwortlichen Information. Insbesondere können sie eine Aufklärung und Beratung durch den Betreuer nicht ersetzen. Die Instrumente sind nur in Grundzügen dargestellt. Ausführliche Informationen enthalten bei Fonds die allein verbindlichen Verkaufsprospekte sowie die Wesentlichen Anlegerinformationen, die aktuellen Jahres- und Halbjahresberichte, bei anderen Instrumenten die allein verbindlichen Basisprospekte einschließlich etwaiger Nachträge bzw. die Endgültigen Bedingungen und bei Finanzinstrumenten, die der PRIIP-Verordnung unterliegen zusätzlich die Basisinformationsblätter. Diese deutschsprachigen Dokumente erhalten Sie bei Fonds in elektronischer Form auf der Detailseite zum Fonds und/oder in Papierform kostenlos über alle HypoVereinsbank Filialen. Bei Finanzinstrumenten, die der PRIIP-Verordnung unterliegen erhalten Sie die deutschsprachigen Basisinformationsblätter in elektronischer und/oder in Papierform kostenlos bei Ihrem Ansprechpartner der HypoVereinsbank. Alle anderen Dokumente können Sie direkt beim Emittenten (Herausgeber) anfordern. Wertpapiere und sonstige Finanzinstrumente unterliegen u.a. Kurs- und Währungsschwankungen, die die Rendite steigern oder reduzieren können. Es kann grundsätzlich zum Verlust des eingesetzten Kapitals kommen. Alle Wertpapiere außer Fonds unterliegen dem Emittentenrisiko und strukturierte Produkte zusätzlich dem Risiko des Basiswertes. Bei Optionsscheinen, Knock out Produkten und Faktorzertifikaten sind starke Kursschwankungen üblich und es besteht ein Totalverlustrisiko.

Die Informationen auf dieser Seite stellen auch keine Finanzanalyse dar. Eine den gesetzlichen Anforderungen entsprechende Unvoreingenommenheit wird daher nicht gewährleistet. Es gibt auch kein Verbot des Handels - wie es vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen gilt. Diese Information richtet sich nicht an natürliche oder juristische Personen, die aufgrund ihres Wohn- bzw. Geschäftssitzes einer ausländischen Rechtsordnung unterliegen, die für die Verbreitung derartiger Informationen Beschränkungen vorsieht. Insbesondere enthält diese Information weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren an Staatsbürger der USA, Großbritanniens oder der Länder im Europäischen Wirtschaftsraum, in denen die Voraussetzungen für ein derartiges Angebot nicht erfüllt sind.

Factset   Mountain-View
© 2012-2020. UniCredit Bank GmbH (HVB). Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.
Design and Implementation by ByteWorx GmbH.
Powered by FactSet Digital Solutions GmbH.
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch FactSet Digital Solutions GmbH.
Fondsdaten bereitgestellt von Mountain-View Data GmbH.

Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!
Langfristige Wertentwicklungen und Kursschwankungen insbes. zu Finanzinstrumenten, bzw. zu Finanzindizes entnehmen Sie bitte der jeweiligen Detailseite. Bitte beachten Sie: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für eine künftige Wertentwicklung (Performance) und Renditechance. Die Rendite kann in Folge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.