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Wed Jun 10 21:13:18 CEST 2026
(neu: Analystenstimme im neuen 3. Absatz.)
METZINGEN (dpa-AFX) - Der Großaktionär Frasers Group will den schwäbischen Modehersteller Hugo Boss übernehmen. Frasers will im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots 38 Euro je Boss-Aktie bieten, wie das Unternehmen am Mittwochabend nach Börsenschluss mitteilte. Das Angebot gilt für alle Aktien, die Frasers nicht bereits besitzt. Zuletzt kamen die Briten nach eigenen Angaben auf einen direkten Anteil von gut 26 Prozent. Die im MDax notierte Hugo-Boss-Aktie sprang nachbörslich hoch.
Auf der Handelsplattform Tradegate stieg sie nach der Mitteilung um zeitweise mehr als sechs Prozent auf über 38 Euro. Den Xetra-Handel beschlossen hatte sie mit einem Kurs von 36,46 Euro - in etwa so viel wie zu Jahresbeginn. Auf Sicht von zwölf Monaten hat das Papier knapp 9 Prozent verloren.
Analystin Chiara Battistini von JPMorgan schrieb in einer ersten Reaktion, die angebotenen 38 Euro schienen nicht besonders attraktiv. Sie beinhalteten lediglich einen vierprozentigen Aufschlag auf den aktuellen Xetra-Schlusskurs. Sie sehe allerdings keine offensichtlichen weiteren Interessenten. Battistini beobachtete vor der Bekanntgabe der Frasers-Offerte zudem eine vergleichsweise hohe Short-Quote bei der Aktie - also etliche Anleger, die über Leerverkäufe auf einen fallenden Kurs gewettet hätten.
Zwischen dem Großaktionär und der Führungsspitze von Hugo Boss war es in jüngerer Zeit zu Unstimmigkeiten gekommen. So hatte Frasers dem Aufsichtsratschef Stephan Sturm im Dezember das Vertrauen entzogen. Streit gab es unter anderem um die Dividendenzahlung. Frasers ruderte jedoch am Dienstag dieser Woche zurück und drückte Unterstützung für Sturm und Dividendenpolitik aus.
Frasers verfügt nach eigenen Angaben vom Mittwoch auch über weitere Finanzinstrumente für Hugo-Boss-Aktien. Die Briten hatten sogenannte Put-Optionen verkauft, ihnen hätten also von Aktionären und Inhabern der Optionen zu einem gewissen Preis Aktien angedient werden können. Bei Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent der Anteile hätte Frasers dann ohnehin ein Pflichtangebot an die restlichen Aktionäre unterbreiten müssen. Frasers habe sich für ein freiwilliges Angebot entschieden, um das Investment in Hugo Boss zu festigen, hieß es von den Briten.
Frasers gehört mehrheitlich dem britischen Milliardär Mike Ashley, der bereits mehrere Mode-Engagements unter seinen Fittichen hat. Frasers gehört etwa auch der Onlinehändler Sports Direct. Frasers sei ein langfristig orientierter Investor von Hugo Boss und stehe weiter zu Aufsichtsratschef Sturm sowie Vorstandschef Daniel Grieder, hieß es.
Für die restlichen knapp 74 Prozent der Hugo-Boss-Anteile müsste Frasers rund 2 Milliarden Euro hinblättern. Der gesamte Edelschneider würde so mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet. Einer Mindestschwelle unterliegt das Angebot nicht. Aufsichtsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen./men/gl
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