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ROUNDUP: Warum Südamerika für Wadephul eine Herausforderung ist

Wed Jul 01 07:35:03 CEST 2026

BUENOS AIRES/ASUNCIÓN (dpa-AFX) - Auf der Suche nach neuen Verbündeten: Weil die transatlantische Partnerschaft mit der US-Regierung von Donald Trump Risse bekommen hat und Deutschland sich unabhängiger von China machen will, tourt Außenminister Johann Wadephul durch Südamerika. Nach einer Rede beim Mercosur-Gipfel in Paraguay am Dienstag will der CDU-Politiker heute in Argentinien mit seinem Kollegen Pablo Quirno eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Bergbau- und Rohstoffbereich unterzeichnen.

Argentinien hat große Rohstoffvorkommen. Gold, Silber und Lithium machen etwa 95 Prozent der Bergbauexporte aus. Zudem entstehen Bergbauprojekte zur Förderung von Kupfer und Lithium. Letzteres ist wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien, die etwa in E-Autos, Smartphones und Laptops sowie in der Solar- und Windenergie verwendet werden.

Warum Südamerika eine Herausforderung für Wadephul ist:

Mercosur als Kampfansage an Trump

Wadephul preist das Mercosur-Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem "Gemeinsamen Markt des Südens" als Meilenstein mit riesigem Wachstumspotenzial für Deutschland und Europa. Die Vereinbarung gilt als Kampfansage an die protektionistische Zollpolitik Trumps. Auch Wadephul betont, das Abkommen stehe "für Freihandel statt Zölle, für Wettbewerb statt Protektionismus" - natürlich ohne den Namen Trump zu nennen.

Die Herausforderung: Weder Kanzler Friedrich Merz noch der Außenminister (Motto: Außenpolitik aus einem Guss) wollen es sich mit Trump verscherzen. Der Republikaner nutzt seine unberechenbare Wirtschafts- und Zollpolitik gerne als Strafinstrument auch gegen enge Verbündete. Und hat Merz nach kritischen Äußerungen über den Iran-Krieg ohnehin schon attackiert.

Gerade vor dem Nato-Gipfel kommende Woche in Ankara, wo sich Deutschland eine klare Zusage Trumps erwartet, dass die USA auch künftig hinter den europäischen Verbündeten stehen, dürfte die Werbetour durch Südamerika da ein Spagat sein. Bei seiner Reise nach Südamerika legte Wadephul am Montag denn auch als erstes einen Zwischenstopp in Washington ein, um bei seinem US-Kollegen Marco Rubio für die deutschen Nato-Positionen zu werben.

* Mercosur-Abkommen: Der Deal mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay schafft laut EU-Kommission einen Markt mit etwa 720 Millionen Menschen und senkt Zölle in Milliardenhöhe. Das Abkommen soll durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen den Austausch von Waren und Dienstleistungen ankurbeln. In Deutschland werden große Chancen für Autoindustrie, Maschinenbau und Pharmabranche gesehen.

Südamerika als Wirtschaftspartner - EU vs. China

Paraguay: Deutschland gilt als besonders wichtiger EU-Partner. Bislang werden vor allem Chemieprodukte, Kraftfahrzeuge, Maschinen und Elektrotechnik importiert. Aber: Bei den Importen lagen 2025 China mit fast 35 Prozent und Brasilien mit knapp 23 Prozent weit an der Spitze. Das dürfte auf absehbare Zeit so bleiben - trotz der Wirtschaftsdiplomatie Wadephuls.

Argentinien: Mehr als 190 deutsche Unternehmen sind hier aktiv. Doch Peking, zu dem die Regierung des ultraliberalen Präsidenten Javier Milei einen pragmatischen Kurs fährt, bleibt unverzichtbar, auch bei Investitionen in die Infrastruktur. Buenos Aires und Washington haben zudem ein Handels- und Investitionsabkommen geschlossen und eine verstärkte Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen vereinbart. Wie groß ist die Lücke, die für Deutschland und die EU bleibt?

Brasilien: Für Deutschland ist das Land Top-Handelspartner in Südamerika. China ist allerdings schon seit 2009 größter Handelspartner, auch politisch rückt man näher zusammen. Es gibt umfangreiche Kooperationsvereinbarungen und milliardenschwere Investitionen in Brasilien. Zugleich sitzt das Land auf riesigen Rohstoffvorräten, es könnte auch wichtiger Produktionsstandort für grünen Wasserstoff werden.

Wadephul preist Europa als riesigen und verlässlichen Markt

Lange hat Deutschland die Entwicklung einer stärkeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Südamerika in weiten Teilen China überlassen. Wadephul setzt nun darauf, dass die Verantwortlichen merken, dass es neues deutsches Interesse an Südamerika gibt. Europa sei schließlich ein riesiger Markt sowie eine verlässliche und kaufkraftstarke Weltregion. Aber viele Staaten sehen die EU im Vergleich zu China als zu lahm bei Investitionsentscheidungen.

Ärger um Merz' Stadtbild-Äußerung dürfte verraucht sein

Immerhin dürfte sich Wadephul in Brasilien nicht mehr mit den "Stadtbild"-Äußerungen des Kanzlers vom November herumschlagen müssen. Merz hatte sich nach der Rückkehr von der Weltklimakonferenz in der brasilianischen Amazonsstadt Belém auf eine Weise über die arme Stadt geäußert, die viele Brasilianer als beleidigend und abschätzig empfanden.

Die deutsche Delegation sei froh gewesen, "von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt" zu sein, hatte der Kanzler gesagt. Auch der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kritisierte Merz dafür, versöhnte sich dann aber beim G20-Gipfel in Johannesburg wieder mit ihm./bk/DP/zb

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