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Tue Jan 27 06:40:39 CET 2026
DEN HAAG/GREIFSWALD (dpa-AFX) - Das Vogelgrippe-Virus ist in den Niederlanden und damit erstmals außerhalb der USA bei einer Kuh nachgewiesen worden. In der Milch des Tieres wurden Antikörper gegen den Erreger H5N1 gefunden, wie aus einem Schreiben der niederländischen Agrarministerin an das Parlament hervorgeht. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bei Greifswald ist bislang kein anderer solcher Nachweis weltweit bekannt.
Besteht Gefahr für Menschen durch die Milch des Tieres?
Das Vogelgrippe-Virus wird bei Kühen hauptsächlich über die Milch ausgeschieden. Ein Risiko gab es dennoch nicht: Die Milch der erkrankten Kuh sei wegen ihrer gesundheitlichen Probleme nicht verarbeitet worden, hieß es vom Ministerium. Kommerzielle Milchprodukte gelten ohnehin als sicher, da Hitze und Pasteurisierung das Virus eliminieren. Vom Verzehr von Rohmilch wurde im Zuge des Vogelgrippe-Ausbruchs unter Milchkühen in den USA deutlich abgeraten.
Wie wurde die Erkrankung entdeckt?
Dem Bericht der Ministerin zufolge war auf dem Hof in der niederländischen Provinz Friesland am 26. Dezember eine Katze gestorben, bei ihr wurde eine H5N1-Infektion nachgewiesen. Am 15. Januar wurden die Milchkühe des Betriebs untersucht. Symptome hatte zu diesem Zeitpunkt keines der Tiere. In den Proben fanden sich bei einer Kuh Antikörper gegen die Vogelgrippe H5N1.
Antikörper entstehen während einer Infektion durch die Immunantwort des Körpers. Die Kuh hatte dem Bericht zufolge im Dezember eine Euterentzündung und Atemprobleme gehabt - typische Symptome bei einer Milchkuh mit Vogelgrippe. Weitere am 22. Januar genommene Proben von anderen Kühen des Hofes blieben unauffällig.
Es gebe keinen Hinweis auf eine aktive Virusverbreitung der Vogelgrippe unter den Milchkühen des Betriebs, hieß es. Für fünf Proben wurden allerdings Nachtests angeordnet.
Was bedeutet der Fall?
Weltweit gibt es Experten zufolge etwa 1,5 Milliarden Rinder. Trotz des weltweiten Handels mit Tieren und Lebensmitteln waren H5N1-Infektionen bisher nur von Kühen in den USA bekannt. Wie sich die Katze und die Kuh in den Niederlanden angesteckt haben, war zunächst unklar. Laut FLI könnte der Erreger durch Kontakt mit infizierten Vögeln weitergegeben worden sein, oder über kontaminierten Kot, Futter, Wasser oder Melkgeschirr.
FLI-Vizepräsident Martin Beer hatte im Herbst von einer gewaltigen, aber kaum erkennbaren Infektionswelle bei Wildvögeln in Europa gesprochen. Tests bei Wildenten etwa in Holland zeigten demnach, dass bis zu 25 Prozent betroffen waren. Aufgrund der Ausbrüche in den Vorjahren gibt es in vielen Wildvogelbeständen eine ausgeprägte Immunität: Die Vögel stecken sich an, erkranken und sterben aber weitaus seltener. Unter anderem über den Kot infizierter Tiere wird das Virus weiterhin verteilt. In von Ausbrüchen betroffenen Geflügelbetrieben wurden zudem im Herbst hunderttausende Tiere vorsorglich getötet.
H5N1-Ausbrüche unter Kühen wären eine extreme Herausforderung für die ohnehin schon von Krankheiten wie der Blauzungenkrankheit geplagten Milchvieh-Betriebe. Milch H5N1-infizierter Kühe dürfte in Europa nicht verkauft werden. Ohnehin ist die Milchproduktion bei erkrankten Tieren vermindert, die Milch selbst dickflüssig und verfärbt. Die meisten Milchkühe erholen sich von der Erkrankung.
Rinder sind Beer zufolge neben dem Menschen die einzigen bekannten Lebewesen, bei denen das Virus nicht vor allem das Gehirn betrifft: Bei Milchkühen sei das Euter, beim Menschen Augen und Atemwege betroffen.
Wie ist die Lage in den USA?
In den USA waren im März 2024 erstmals mit Vogelgrippe infizierte Milchkühe entdeckt worden - erste Tiere waren aber wohl schon im Herbst 2023 erkrankt. Rasch waren hunderte weitere Betriebe betroffen, es folgten Nachweise bei Haustieren wie Katzen und dutzenden Menschen, meist Farmarbeiter oder Tierärzte. Experten schätzen die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle als sehr hoch ein.
In Deutschland wäre intensiv versucht worden, das Geschehen zu stoppen - in den USA seien derlei Maßnahmen kaum zu erkennen gewesen, hatte Beer einmal erklärt. Experten gehen davon aus, dass ein großer Teil der US-Betriebe inzwischen durchgeseucht ist.
Gibt es die Vogelgrippe überall auf der Welt?
Das australische Festland ist der letzte Kontinent, der bisher noch als frei von der Vogelgrippe gilt. Würden die Vogelpopulationen dort über Zugvögel mit dem ihrem Immunsystem völlig unbekannten Erreger konfrontiert, wären die Folgen furchtbar. Dass der Kontinent langfristig verschont bleibt, halten Experten allerdings für höchst unwahrscheinlich.
Virusfrei war lange Zeit auch die antarktische Region. Im Oktober 2023 wurde H5N1 dann aber auf der kleinen, Südgeorgien vorgelagerten Insel Bird Island nachgewiesen. Im Februar 2024 wurde H5N1 erstmals auf dem antarktischen Festland festgestellt.
In die antarktische Region wiederum gelangte H5N1 von Südamerika aus, wohin es Ende 2022 vorgedrungen war. In den Jahrzehnten davor war Südamerika stets vogelgrippefrei geblieben. In Nordamerika hatte es 2015 erste Vogelgrippe-Nachweise gegeben.
Europa sucht das aus Asien stammende Virus schon viele Jahre länger heim. Allerdings gibt es erst seit 2021 das ganze Jahr hindurch Infektionen, davor trat der Erreger fast nur in Zusammenhang mit dem Vogelzug in der kalten Jahreszeit auf.
Tests bei Milchkühen hierzulande blieben bisher immer unauffällig. Zahlreiche Nachweise gibt es aber unter anderem bei Füchsen, Marderhunden, Dachsen und anderen wildlebenden Fleischfressern.
Welche Entwicklung gibt es?
Die Zahl der Ausbrüche von Vogelgrippe bei Säugetieren stieg im Jahr 2024 deutlich. Die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) schrieb in ihrem Bericht von 1.022 gemeldeten Fällen - im Vergleich zu 459 im Jahr 2023. Das Risiko dafür, dass Menschen sich anstecken, bleibe zwar gering, hieß es von der Organisation. Je mehr Säugetiere betroffen seien, desto höher sei auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus sich so anpasse, dass es von Säugetier zu Säugetier und womöglich auch auf den Menschen übertragen werden könne.
Das Virus H5N1 wurde schon bei sehr vielen Säugetier-Arten gefunden. Neben Kühen und Katzen waren verschiedene Raubtierarten von Nerz, Fuchs und Bär bis hin zu Seehunden und Kegelrobben betroffen. Auch bei einem Schaf in Großbritannien wurde H5N1 schon nachgewiesen./chh/DP/zb
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