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Thu Jun 11 06:30:17 CEST 2026
AUSTIN (dpa-AFX) - Elon Musks Weltraumfirma SpaceX machte im vergangenen Jahr weniger als 19 Milliarden Dollar Umsatz und steckt tief in den roten Zahlen - und doch will sie zum Börsenstart fast 1,8 Billionen Dollar wert sein. Mit Einnahmen von rund 75 Milliarden Dollar bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar wird es zudem der größte Börsengang, den es bisher gab. Und nach dem für Freitag erwarteten Handelsstart könnte die Bewertung angesichts der hohen Nachfrage noch weiter steigen.
Was macht SpaceX überhaupt?
Die von Musk bereits 2002 gegründete Firma ist vor allem bekannt für ihre Raketen. Der Plan des Tech-Milliardärs war, die Kosten von Raketenstarts drastisch zu senken und irgendwann eine Kolonie auf dem Mars aufzubauen. Raumfahrt war damals die Domäne von Supermächten - und entsprechend wurden seine Aktivitäten zunächst belächelt. Doch SpaceX gelang es, günstigere Raketen zu bauen - und sie auch noch wiederverwendbar zu machen, was die Kosten noch einmal senkte. Insbesondere seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms ist SpaceX aktuell praktisch unverzichtbar für die US-Raumfahrt und das Militär.
Woraus besteht das SpaceX-Geschäft?
Den Großteil der Erlöse - rund elf Milliarden Dollar - brachte im vergangenen Jahr der Satelliteninternet-Dienst Starlink ein. SpaceX brachte dafür rund 9.600 Satelliten in die Umlaufbahn. Aktuell braucht man meist noch spezielle Antennen und Empfangsgeräte am Boden, mit den nächsten Generationen der Technik sollen Smartphones verstärkt direkt auf das Netz aus dem All zugreifen können. Damit hätte man mobiles Internet auch überall dort, wo es kein Mobilfunk-Netz gibt. Starlink kam Ende März auf gut zehn Millionen Kunden. Amazon baut einen Konkurrenzdienst auf, hat aber noch deutlich weniger Satelliten. Vor einigen Monaten ließ Musk zudem SpaceX seine KI-Firma xAI übernehmen, in der zuvor auch die Online-Plattform X aufging.
Wie rechtfertigt SpaceX bei diesen Geschäftszahlen eine Bewertung von 1,8 Billionen Dollar?
Die beim Börsengang angestrebte Bewertung ist mehr als 90 Mal höher als der vergangene Jahresumsatz - und das ist außergewöhnlich viel. Beim derzeit wertvollsten Unternehmen, dem knapp fünf Billionen Dollar teuren Chipkonzern Nvidia liegt dieser Wert bei etwa 20, bei Apple bei rund 10. SpaceX erklärt die hohe Bewertung mit der Aussicht auf künftiges Geschäft. Laut Börsenprospekt sieht das Unternehmen allein für Satelliten-Konnektivität einen Gesamtmarkt von 1,6 Billionen Dollar - für alle Anbieter allerdings.
Zudem kommt hier auch xAI ins Spiel: SpaceX will sich ein Stück des Geschäfts mit KI-Anwendungen für Unternehmen sichern, das insgesamt auf mehr als 22 Billionen Dollar geschätzt wird. Musk plant unter anderem Rechenzentren in der Umlaufbahn - wobei bisher offen ist, ob das technisch funktioniert. Musk ist oft zu optimistisch bei seinen Ankündigungen, die manchmal erst Jahre nach von ihm genannten Fristen erfüllt werden. Bei dem ebenfalls von ihm geführten Elektroauto-Hersteller Tesla etwa funktioniert das autonome Fahren immer noch nicht so wie von ihm im Laufe der vergangenen zehn Jahre versprochen.
Welche Rolle spielt der Faktor Elon Musk?
Bei traditionellen Börsengängen kommt meist vor allem institutionelle Investoren wie Banken und Fonds zum Zuge. Musk verlässt sich aber schon seit Jahren stark auf eine Armee von Fans unter privaten Anlegern. Beim Börsengang von SpaceX soll ihnen voraussichtlich rund ein Fünftel der knapp 555,6 Millionen Aktien vorbehalten bleiben, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Üblicherweise liegt der Anteil bei fünf bis sieben Prozent. Die Nachfrage der privaten Anleger dürfte das Angebot trotzdem weit übertreffen.
Musk behält auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten. Er dürfte auch zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion Dollar werden. Aktuell schätzt der Finanzdienst Bloomberg sein Vermögen auf rund 700 Milliarden Dollar.
Was könnte noch den Aktienkurs beeinflussen?
Drei wichtige Aktienindex-Anbieter - Nasdaq, FTSE Russell und MSCI - änderten ihre Regeln und als Folge davon kann das Papier schneller als früher üblich in ihre Indizes aufgenommen werden. Das bedeutet automatisch eine frühzeitige zusätzliche Nachfrage von Fonds, die die Index-Zusammensetzung abbilden. S&P Dow Jones unterdessen hält dagegen und bleibt dabei, dass die Aktie erst nach zwölf Monaten auf dem Markt in den Auswahlindex S&P 500 einziehen kann./so/DP/stk
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