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Fri Feb 06 18:42:55 CET 2026
(neu: Reaktion der Ministerpräsidenten)
DUISBURG/SALZGITTER (dpa-AFX) - Beim Duisburger Stahlhersteller HKM soll auch künftig Stahl gekocht werden - allerdings mit 1.000 anstatt 3.000 Beschäftigten und unter alleiniger Führung von Salzgitter. Die beiden Gesellschafter Thyssenkrupp Steel und Salzgitter AG haben sich jetzt auf Eckpunkte verständigt, wie Thyssenkrupp schon in Kürze aussteigen kann. Der dritte Gesellschafter Vallourec muss der Vereinbarung allerdings noch zustimmen. Salzgitter hatte sein Interesse an einer Komplettübernahme bereits im vergangenen Jahr deutlich gemacht und dabei auch schon einen Stellenabbau skizziert.
Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann gehören den Stahlunternehmen Thyssenkrupp (50 Prozent), Salzgitter (30 Prozent) und Vallourec (20 Prozent). HKM beschäftigt etwa 3.000 Menschen und produziert mit zwei Hochöfen Vorprodukte für die Eigentümer. Thyssenkrupp und Vallourec wollen sich vor dem Hintergrund der angespannten Stahlkonjunktur schon seit Längerem aus dem Unternehmen zurückziehen. Im Raum stand auch eine Schließung des Traditionsunternehmens. Die Vereinbarung kam jetzt unter Vermittlung des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch zustande.
Ab 2029 bekommt Thyssenkrupp keine Brammen mehr von HKM
Die Vereinbarung sieht einen Verkauf der HKM-Gesellschaftsanteile von Thyssenkrupp Steel an Salzgitter zum 1. Juni 2026 vor. Die Belieferung an Thyssenkrupp Steel von HKM soll dann Ende 2028 auslaufen. Bisher war dies für Ende 2032 geplant. Finanzielle Details zum Ausstieg von Thyssenkrupp wollten die Unternehmen nicht veröffentlichen.
Die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, Hendrik Wüst (CDU) und Olaf Lies (SPD), begrüßten die Einigung. "Sie kann bei allen schmerzhaften Folgen eine verantwortungsvolle Lösung sein", so Wüst. Die Beschäftigten müssten nun schnell endgültige Klarheit bekommen. "Wenn wir Industrieland bleiben wollen, brauchen wir eine wettbewerbsfähige Stahlindustrie."
"Mit der heutigen Verständigung ist ein wichtiger Schritt gelungen, einen drohenden Strukturbruch abzuwenden und Beschäftigung und Wertschöpfungsketten in Deutschland zu sichern", sagte Lies. Er sei froh, dass viele Beteiligte an einem Strang gezogen hätten, damit der traditionsreiche Standort in Duisburg eine Perspektive bekomme. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Erhalt des Standortes verbunden ist mit einem Abbau von Beschäftigung. Das ist die Kehrseite dieser Einigung."
Damit das Ganze vollzogen werden kann, muss noch eine weitere Bedingung erfüllt sein: Ein bereits beauftragtes sogenanntes Fortführungsgutachten müsse zu einer positiven Bewertung kommen, hieß es.
Ein Salzgitter-Sprecher bestätigte die Eckdaten, die Salzgitter-Chef Gunnar Groebler im Dezember in einem Interview der "WAZ" vorgestellt hatte. Demnach sollen die beiden Hochöfen von HKM stillgelegt werden. Im Gegenzug soll ein neuer Elektrolichtbogenofen Stahl erzeugen - und zwar 2,0 bis 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr. "Für den Ofen gibt es die Zusage einer öffentlichen Förderung von knapp 200 Millionen Euro", sagte der Sprecher.
2.000 Stellen sollen wegfallen
Das industrielle Konzept für die Fortführung von HKM sehe eine Belegschaftsstärke von rund 1.000 Beschäftigten vor, sagte der Sprecher weiter. Das bedeutet, dass 2.000 Stellen abgebaut werden. "Wie der Stellenabbau im Einzelnen vollzogen wird, wird Gegenstand von Verhandlungen sein zwischen Betriebsrat und Unternehmen", so der Sprecher. Salzgitter machte keine Angaben dazu, wann der Stellenabbau beginnen könnte.
Voraussetzung für eine Übernahme aller Anteile sei, dass sich die bisherigen Miteigentümer an den Kosten für eine Verkleinerung beteiligten, hatte Groebler betont. Dazu machten Salzgitter und Thyssenkrupp Steel keine Angaben.
Thyssenkrupp Steel will 11.000 Stellen abbauen oder auslagern
Für Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE), Deutschlands größten Stahlhersteller, ist ein Ausstieg aus HKM ein wichtiger Schritt bei der Neuaufstellung des angeschlagenen Unternehmens. Ein harter Sanierungskurs soll TKSE wieder wettbewerbsfähig machen. Er sieht weniger Produktionskapazitäten sowie den Abbau und die Auslagerung von insgesamt 11.000 Stellen vor.
Auswirkungen dürfte die Einigung auch auf die laufenden Verhandlungen von Thyssenkrupp mit dem indischen Stahlunternehmen Jindal Steel über eine Übernahme der Stahlsparte haben. Thyssenkrupp-Chef Miguel López hatte sich zuletzt zurückhaltend zu diesen Verhandlungen geäußert und lediglich gesagt: "Mit Jindal Steel sind wir in konstruktivem Austausch."
TK-Stahlchefin: "Faire und für alle Beteiligten tragfähige Lösung"
Thyssenkrupp-Stahlchefin Marie Jaroni nannte die Einigung einen Meilenstein zur zukunftsfesten Aufstellung von Thyssenkrupp Steel. "Mit der Vereinbarung ist es uns gelungen, eine faire und für alle Beteiligten tragfähige Lösung zu erzielen. Damit kommen wir unserer Verantwortung sowohl für Thyssenkrupp Steel als Ganzes als auch für die HKM-Beschäftigten nach", sagte sie.
Die Vereinbarung sei ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg, für HKM eine gute industrielle Zukunft zu erarbeiten, sagte Groebler. "Sie schafft Klarheit für alle Beteiligten in diesem Prozess und gibt den Mitarbeitenden von HKM eine positive Perspektive." HKM könne damit ein Teil des Transformationsprozesses hin zur CO2-armen Stahlerzeugung im Salzgitter-Konzern werden.
IG Metall ist erleichtert
Die IG Metall äußerte sich trotz des erwarteten Stellenabbaus erleichtert. "Die Fortführung von HKM ist ein gutes Signal für den Stahlstandort NRW", sagte NRW-Bezirksleiter Knut Giesler. Es werde ein schwieriger Weg, aber es würden wichtige Wertschöpfungsketten in NRW und darüber hinaus abgesichert.
Der Geschäftsführer der IG Metall Duisburg-Dinslaken, Karsten Kaus, sagte: "Damit bleibt Duisburg der größte Stahlstandort Europas. Das ist ein gutes Signal in die Belegschaft, in die Region und für den Stahl in Deutschland."
Positiv äußerte sich auch Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne): "Die Einigung zur künftigen Gesellschafterstruktur der HKM bringt mehr Klarheit und eröffnet eine industrielle Perspektive für Duisburg und die Beschäftigten", sagte sie. Für die Beschäftigten und ihre Familien bleibe die Situation dennoch herausfordernd: "Die Zukunft von HKM darf nicht allein betriebswirtschaftlich gedacht werden, sondern muss Beschäftigung, Qualifikation und regionale Wertschöpfung mit in den Blick nehmen."/tob/DP/stw
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