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Nach Ausweisung aus China: Peking kritisiert 'New York Times'

Mon Jun 01 12:30:22 CEST 2026

PEKING (dpa-AFX) - Nach der Ausweisung einer Journalistin der US-Zeitung "New York Times" aus China hat das chinesische Außenministerium weitere Kritik geübt. Das Blatt habe den "taiwanischen Behörden" eine Plattform zur Verbreitung "separatistischer Falschbehauptungen" geboten und Taiwan als Staat bezeichnet, sagte Sprecher Lin Jian in Peking. Dies sei ein Verstoß gegen das "Ein-China-Prinzip" und Vereinbarungen zwischen den USA und China, fuhr er fort.

Zuvor hatte die "New York Times" den Fall in einem Artikel öffentlich gemacht. Darin sagte Chefredakteur Joseph Kahn, die Ausweisung werde es dem weltweiten Publikum in einer entscheidenden Phase noch schwerer machen, genaue, unabhängige und fundierte Berichterstattung über die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zu erhalten.

Dem Bericht zufolge hatten chinesische Beamte die Ausweisung der Korrespondentin damit begründet, dass die Zeitung zuvor im Dezember während eines Events in New York ein Video von Taiwans Präsident Lai Ching-te gezeigt hatte. China wies die Journalistin, die nach Angaben des Blatts keine Rolle bei der Veranstaltung gespielt hatte, im Februar aus.

USA kontern mit Gegenmaßnahme

China beansprucht das unabhängig regierte Taiwan für sich und will es an sich binden. Lais regierende Demokratische Fortschrittspartei bezeichnet Peking immer wieder als Separatisten, weil die Partei für eine Unabhängigkeit der Inselrepublik steht, die die Regierung jedoch bislang nicht beabsichtigte anzustreben.

Die "New York Times" sollte ihre "Fehler" korrigieren, forderte Chinas Außenministerium weiter. Lin warf der Journalistin außerdem vor, Interviews unter Vorspiegelung falscher Tatsachen geführt und damit gegen Gesetze verstoßen zu haben.

Parallel kritisierte er, dass die USA als Gegenmaßnahme gegen einen Reporter der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua vorgegangen seien. Laut "New York Times" hatte die Regierung von US-Präsident Donald Trump ihm das Visum entzogen.

Kritik an Pressefreiheit in China

Auslandskorrespondenten in China beklagen seit Jahren erschwerte Arbeitsbedingungen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen führt China in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 178 von 180. Schlechter stehen demnach nur Nordkorea und Eritrea da.

Im April hatte der Club der Auslandskorrespondenten in China eine Zunahme "gezielter Angriffe" auf die Pressefreiheit in China seit Februar kritisiert, ohne den Fall der "New York Times" konkret zu nennen. Man verurteile den Einsatz von Einschüchterung und Drohungen sowie Zugangs- und Akkreditierungsbeschränkungen als Waffen zur Ausübung von Kontrolle über Informationen oder zur Erzwingung von Selbstzensur, hatte die Vereinigung mitgeteilt./jon/DP/stw

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