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AKTIE IM FOKUS 3: Vonovia-Titel nach Berlin-Wahl unter größten Dax-Verlierern

Mon Sep 21 18:24:57 CEST 2026

(neu: Schlusskurs)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aktien des Immobilienkonzerns Vonovia haben am Montag zuletzt mit deutlichen Verlusten auf den Ausgang der Abgeordnetenhauswahl in Berlin reagiert. Anleger sind besorgt, da Wahlsiegerin Elif Eralp von den Linken große Wohnungsunternehmen enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen einführen will. "Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet. Das habe ich so gesagt, und dabei bleibe ich auch", sagte Eralp in der ARD.

Die Papiere von Vonovia konnten dem guten Umfeld am deutschen Aktienmarkt vor diesem Hintergrund nicht folgen. Sie sackten im Tagesverlauf um bis zu 2,3 Prozent ab und erreichten mit 17,29 Euro ihren tiefsten Stand seit Juni 2023. Der Abschlag reduzierte sich am Ende etwas auf 1,2 Prozent, während der Dax mehr als ein Prozent zulegte.

In Berlin gewann die Linke die Wahl mit 25,7 Prozent und großem Vorsprung vor den anderen Parteien. "Die Linke scheint von den Sorgen um die Erschwinglichkeit von Wohnraum, die Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit profitiert zu haben", schrieb Deutsche-Bank-Volkswirt Jim Reid.

Hinsichtlich der im Wahlkampf versprochenen Entlastungen für Mieter bezieht sich die Linke auf einen erfolgreichen Volksentscheid aus dem Jahr 2021 zur Enteignung großer Wohnungskonzerne gegen Entschädigung. Die Hoffnung: Durch so erlangte 220.000 zusätzliche kommunale Wohnungen könne die Stadt mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt bekommen, auf dem die Mieten seit Jahren sehr stark steigen.

Experten sehen aber bei der geplanten Enteignung hohe rechtliche, politische und finanzielle Hürden. Die Grünen stehen bei dem Thema zwar an der Seite der Linken. Noch jedoch ist offen, ob die SPD in einem Bündnis die Linken-Forderung mittragen würde. Ihr Spitzenkandidat Steffen Krach ging am Wahlabend nicht von einer Enteignung aus. "Ich bin mir sehr sicher, dass es am Ende nicht klappen wird", sagte Krach. Die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner sei dagegen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte zudem nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin die Gesetzespläne für ein Enteignungsverbot von Wohnungsgesellschaften.

Zudem ist bisher nicht klar, ob Eralp überhaupt in Berlin regieren kann. Denn rechnerisch wäre auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD und damit unter Ausschluss der Linken möglich.

Bei der Bekämpfung der Wohnungsnot in Berlin sieht sich derweil Vonovia selbst in einer wichtigen Rolle. "Ich glaube, dass unser Unternehmen Teil der Lösung sein muss und auch ist", sagte Vorstandschef Luka Mucic im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. So habe Vonovia etwa den Neubau hochgefahren.

Angesichts steigender Zinsen an den Kapitalmärkten ist das Umfeld für börsennotierte Immobilienkonzerne aktuell schwierig, denn ihr Geschäftsmodell basiert stark auf Fremdfinanzierung. Das kann zum Problem werden, wenn sich die Unternehmen neu refinanzieren müssen und das Zinsniveau in der Zwischenzeit deutlich angestiegen ist.

Hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt: Mit einer Rendite von aktuell 3,47 Prozent sind zehnjährige Bundesanleihen aus Anlageperspektive mittlerweile eine attraktive Alternative zu Aktien im Allgemeinen und Immobilienwerten im Speziellen geworden. Letztere stehen zwar für stabile Erträge auch in konjunkturell schwachen Phasen. Sie erwirtschaften oftmals hohe Barmittel, die sie zu Teilen an die Aktionäre weitergeben. Je höher jedoch Anleihen rentieren, desto mehr fordern Anleger gerade von den Immobilienkonzernen eine höhere Dividendenrendite als Kompensation für das Kursrisiko.

Vor diesem Hintergrund hatte die US-Investmentbank Goldman Sachs bereits Anfang September ihre Kaufempfehlung für die Aktien von Vonovia gestrichen. Die operativen Trends und namentlich das Mietwachstum blieben zwar recht solide. Vor allem die Zinsen aber bremsten die Konzernstrategie./la/gl/men/tih

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