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Thu Apr 30 16:43:00 CEST 2026
(Kurs aktualisiert)
LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Der Chemiekonzern BASF hat auch im ersten Quartal den Wettbewerbsdruck zu spüren bekommen. Umsatz und operatives Ergebnis gingen zurück. Damit übertraf der Chemiekonzern dennoch die Erwartungen der Analysten. "In diesem anspruchsvollen Marktumfeld hat BASF Widerstandsfähigkeit bewiesen", sagte Finanzvorstand Dirk Elvermann am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Die Ziele für das Gesamtjahr bestätigte der Vorstand um Unternehmenschef Markus Kamieth trotz des Iran-Kriegs. Die Aktie legte am Nachmittag in einem immer freundlicher werdenden Markt um fast ein Prozent zu. Im frühen Handel hatte sie noch leicht im Minus notiert.
Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz im Jahresvergleich um drei Prozent auf 16 Milliarden Euro, wie der im Dax notierte Konzern am Donnerstag vor seiner Hauptversammlung mitteilte. Zwar stiegen die verkauften Mengen vor allem im China-Geschäft. Doch niedrigere Verkaufspreise und negative Währungseffekte, vor allem aus dem US-Dollar und dem chinesischen Renminbi, belasteten.
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen ging in dem Berichtszeitraum um knapp sechs Prozent auf 2,36 Milliarden Euro zurück. "Ohne währungsbedingte Belastungen von mehr als 100 Millionen Euro hätte das Ebitda vor Sondereinflüssen das Niveau des Vorjahresquartals erreicht", sagte Finanzvorstand Elvermann in einer Telefonkonferenz mit Analysten.
Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um knapp 15 Prozent auf 927 Millionen Euro. Dies hängt dem Finanzchef zufolge vor allem von einer Zahlung des Bundes aus Staatsgarantien für frühere Russlandaktivitäten der Tochter Wintershall DEA in Höhe von 800 Millionen Euro zusammen. Zudem verkaufte BASF Aktien an seiner Beteiligung am britischen Ölkonzern Harbour Energy. Derzeit hält das Unternehmen noch rund 30 Prozent an dem britischen Unternehmen.
Die Vorjahreszahlen wurden aufgrund des geplanten Verkaufs der Fahrzeug- und Reparaturlacke an den Investor Carlyle angepasst.
Für das Gesamtjahr peilt BASF für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen weiterhin zwischen 6,2 Milliarden und 7,0 Milliarden Euro an. Damit könnte das Ergebnis bis zu sechs Prozent zulegen, aber auch bis zur gleichen Höhe zurückgehen. 2025 fiel der operative Gewinn um 9,5 Prozent auf knapp 6,6 Milliarden Euro.
Der freie Finanzmittelzufluss (Free Cashflow) soll im laufenden Jahr zwischen 1,5 Milliarden und 2,3 Milliarden Euro betragen, nach rund 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Im ersten Quartal verbesserte sich die Kennziffer zwar im Vergleich zum Vorjahr, jedoch flossen in dem Zeitraum noch Finanzmittel in Höhe von fast 1,4 Milliarden Euro ab. BASF begründete den negativen Free Cashflow mit der Saisonalität des Geschäfts mit der Landwirtschaft.
Auch an den Annahmen für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hielt der Konzern fest. Er warnte jedoch, dass sich diese als zu optimistisch erweisen könnten. So könnte der Ölpreis aufgrund der Beeinträchtigungen bei Förderung und Export durch den Nahost-Konflikt höher ausfallen. Bislang erwartet BASF im laufenden Jahr im Schnitt einen Ölpreis von durchschnittlich 65 Dollar je Barrel. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent betrug zuletzt über 125 Dollar je Barrel.
BASF leidet wie die gesamte Branche seit einiger Zeit unter einer Nachfrageschwäche und gesunkenen Preisen. Neben der mauen Konjunktur belastet die US-Zollpolitik. Beim Chemieriesen laufen deshalb Sparprogramme. Diese will das Unternehmen weiter vorantreiben. Bis Ende 2026 soll die jährliche Kosteneinsparung bei 2,3 Milliarden Euro liegen.
Vor allem der Stammsitz in Ludwigshafen soll wettbewerbsfähiger werden. In der BASF SE, die den größten Teil des Geschäfts im Stammwerk Ludwigshafen abbildet, hatte der Verlust vor Zinsen und Steuern mehr als eine Milliarde Euro betragen. Für das Stammwerk in Ludwigshafen, das mit hohen Energiepreisen und einer zu geringen Auslastung kämpft, kündigte Vorstandschef Kamieth zuletzt keine weiteren größeren Schließungen von Anlagen an. Der bereits angekündigte Mitarbeiterabbau werde sich aber 2026 und im Jahr darauf fortsetzen.
Im Stammwerk arbeitet mit etwa 33.000 Menschen etwa ein Drittel der weltweiten Beschäftigten. Zuletzt erzielten Management und Arbeitnehmervertreter eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen bis Ende 2028 ausschließt.
Auch beim neuen Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang, der mit Investitionen von 8,7 Milliarden Euro jüngst in Betrieb genommen wurde, rechnet Unternehmenschef Kamieth mit einer Anlaufzeit: Im ersten Betriebsjahr werde ein leicht negativer Ergebnisbeitrag erwartet.
Neben den Sparbemühungen passt BASF seit einiger Zeit sein Portfolio an. Insgesamt will sich das Unternehmen von einem breit aufgestellten, integrierten Chemiekonzern mit vielen vernetzten Geschäftsfeldern zu einem Unternehmen mit einem Kerngeschäft aus vier Sparten und mehreren eigenständigen Geschäftsteilen entwickeln.
Zum Kerngeschäft zählt das Management künftig die Bereiche Chemicals mit Basischemikalien und Zwischenprodukten, Materials mit modernen Werkstoffen und Vorprodukten, Industrial Solutions mit Harzen, Additiven und Elektronikmaterialien sowie Nutrition & Care mit Produkten für die Lebens- und Futtermittelbranche sowie Inhaltsstoffen für Pharma-, Kosmetik- und Reinigungsprodukte./mne/gle/jha/he
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