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Sun Jul 05 17:11:34 CEST 2026
NEW YORK/FRANKFURT (dpa-AFX) - Unweit der Traumhochzeit von US-Popstar Taylor Swift und Football-Profi Travis Kelce stand Jürgen Klopp in New York auf einer Dachterrasse und verkündete sein Bekenntnis zum Bundestrainer-Job. Ja, ich will! "Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt, also ich bin bereit", sagte der 59-Jährige in einem Interview bei MagentaTV, für das er die WM auch nach dem deutschen Turnier-Aus weiter als Experte verfolgt und kommentiert. Braun gebrannt stand Klopp da. Die weißen Zähne blitzten. Da hat einer den Biss.
Noch sind keine Detail-Verhandlungen geführt worden mit der DFB-Spitze um Präsident Bernd Neuendorf sowie DFB-Vize und Klopp-Intimus Hans-Joachim Watzke. Das Duo will zeitnah zum Wunschkandidaten in die USA fliegen.
Noch ist Klopps Vertrag als Head of Global Soccer mit dem Getränke-Konzern Red Bull nicht aufgelöst. Und doch scheint eine gute Woche nach dem nächsten WM-Flop der DFB-Auswahl alles unaufhaltsam auf Klopp hinauszulaufen.
"Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf - noch." Dieser flapsige - oder doch hinterlistige (?) - Klopp-Satz NOCH vor dem Anpfiff des ersten deutschen WM-Spiels ist dagegen wahr geworden. Und der Chefcoach, der am 24. September zum Start in die Nations League in den Niederlanden die nächste Aufstellung der DFB-Elf machen wird, kann wohl nur Klopp heißen.
Eine Agenda mit zentralen Themen und Aufgaben ist für die kommenden Tage und Wochen fixiert. Verband und Topkandidat spielen dabei schon geschickt Doppelpass. Dass sich der DFB in der Trennungs-Mitteilung zu Nagelsmann "hinsichtlich der Neubesetzung des Trainerpostens" zugleich klar für Klopp positionierte, irritierte viele und wirkte anbiedernd, war aber ein Schachzug.
Das teure Klopp-Paket beginnt mit Red Bull
So konnte Klopp nur wenige Stunden später aus über 6.000 Kilometer Entfernung zur Frankfurter DFB-Zentrale ausführlich den Rahmen und die Richtung abstecken. Das Mikrofon in einer Hand, die andere Hand lässig in der Hosentasche - so sprach er vor der Wolkenkratzer-Kulisse New Yorks aktiv das drängende und komplizierte Thema seines Red-Bull-Abschieds an.
Das Klopp-Paket wird teuer für den DFB. Es darf aber nicht zu teuer werden. Darauf muss Verbandschef Neuendorf trotz der ab 2027 sprudelnden Nike-Millionen unbedingt achten. Medienprofi Klopp ebnete smart den Weg: "Es ist ja schwierig, Gesprächen vorzugreifen. Aber wir haben natürlich auch schon Dinge angetextet", sagte er in Richtung von Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, der am Wochenende beim Formel-1-Rennen in Silverstone weilte.
Mintzlaff hat dem FC Bayern vor Jahren über 25 Millionen Euro als Ablöse für Julian Nagelsmann abgerungen, als er diesen von RB Leipzig nach München ziehen ließ. Diesmal aber geht es um das Wohl des deutschen Fußballs. Und Mintzlaff dürfte daran erinnert werden, dass er zu jener DFB-Task-Force gehörte, die nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2022 in Katar gegründet worden war, um die Nationalmannschaft wieder flottzumachen.
Dass sich Klopp auch noch beim österreichischen Privatsender ServusTV äußerte, der zur Red Bull Media House GmbH gehört, passt da nur ins Bild. "Red Bull muss sauber aus der Nummer rauskommen können", sagte Klopp.
Vertrag bis zur EM 2028 - oder gleich bis zur WM 2030?
Im Schnellverfahren und ohne Hürden wird die Umsetzung der großen Lösung mit Klopp also nicht ablaufen. Auf die Frage, was zu einer Unterschrift noch fehle, antwortete der einzige ernsthafte Kandidat mit einem Wort: "Zeit."
Klopp hat sich mit seinen Beratern für den Neuanfang positioniert. Es geht - auch als Signal - wohl nicht nur um einen Vertrag bis zur EM 2028, sondern gleich bis zur WM 2030. Es geht um Posten und um Macht. Wen will er über seine bewährten Co-Trainer aus Vereinszeiten, Peter Krawietz und Pepijn Lijnders, mitbringen? Wie viel Einfluss beansprucht er?
Es geht auch um Völlers Zukunft
Passt Rudi Völler als DFB-Sportdirektor noch ins Konzept? Der 66-Jährige, so ist zu hören, will im direkten Gespräch mit Klopp ausloten, ob es eine Basis gibt. Ansonsten würde der Pragmatiker Völler Konsequenzen ziehen.
"Es werden intensive Gespräche sein müssen, weil natürlich die Probleme, die wir aktuell haben, nicht an der Personalie Julian Nagelsmann hängen", sagte Klopp. Er will sich nicht in einen Messias-Status pushen lassen. Er sprach "das Kopfkino" an, das bei Fans, Medien und auch im Verband einsetzen könnte.
Kloppo kommt - und die DFB-Elf spielt automatisch wieder um Titel mit. Nein, entgegnet Klopp energisch: "Der deutsche Fußball steht jetzt natürlich an einem Wendepunkt. Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern."
Wie sähe ein Klopp-Kosmos aus? Er sprach von "absoluter Leidenschaft". Das würde für alle, angefangen bei den Spielern um Kapitän Joshua Kimmich, das Leitbild einer vom Menschenfänger Klopp angeführten Neuausrichtung sein.
Dass er zwei Jahre nach seinem Abschied vom FC Liverpool die WM-Spiele in Amerika teilweise live im Stadion miterlebt, hat in ihm aber auch neue Lust auf die Rückkehr an die Seitenlinie entfacht. "Es ist wie eine Fortbildung. Also wie auch immer es für mich weitergeht, blöder werde ich nach dieser Weltmeisterschaft sicher nicht sein. Ich werde einiges dazugelernt haben. Und das ist natürlich auch notwendig", sagte Klopp.
Dass er - noch! - einen persönlichen Werbevertrag mit Nike-Konkurrent Adidas hat, wird DFB-intern nicht als Problem gesehen. Die 2020 langfristig vereinbarte Zusammenarbeit soll Ende des Jahres auslaufen.
Mertesacker hebt den Finger für einen DFB-Job
Hinter der großen Personalie Klopp rücken allen anderen Köpfe gerade in den Hintergrund. Bezeichnend war, dass Per Mertesacker (41), Spieler im letzten deutschen Weltmeister-Team von 2014 und über viele Jahre Leiter der Nachwuchsakademie beim FC Arsenal, gerade jetzt sein Interesse bekundet, womöglich Teil des Neubeginns zu sein.
"Irgendwie mal beim DFB zu arbeiten, dem deutschen Fußball, dem ich auch so viel zu verdanken habe, mal was zurückzugeben, wenn das gewünscht ist - dafür stehe ich natürlich zur Verfügung", sagte Mertesacker als TV-Experte für das ZDF. Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig verlässt den DFB zum Jahresende. Und Sondierungsgespräche mit Mertesacker gab es dem Vernehmen nach schon - freilich vor der Nagelsmann-Klopp-Wende./kbe/aer/mom/ujo/DP/zb
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