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Fri Jan 23 15:17:26 CET 2026
FRANKFURT (dpa-AFX) - Obwohl die Anleger den zwischenzeitlichen Zoll-Schock von US-Präsident Donald Trump weitgehend verdaut haben, dürfte auch in der neuen Woche keine Ruhe am deutschen Aktienmarkt einkehren. Zwar hatte Trump seine angedrohten Strafzölle nach einer Einigung auf ein Grönland-Abkommen wieder zurückgezogen, geopolitische Risiken bleiben aber bestehen. Außerdem geht die Berichtssaison der Unternehmen nun auch in Deutschland so richtig los. Dazu kommen unter anderem die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed und das Ifo-Geschäftsklima.
Die jüngste Erholung des Dax zeige, dass die meisten Anleger an die langfristige Tragfähigkeit des beim Weltwirtschaftsforum in Davos besiegelten Grönland-Deals glauben, kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.
Für Analyst Frank Sohlleder vom Broker Activtrades ist dagegen weiterhin eine gewisse Skepsis spürbar: "Der Grönland-Thriller ist zwar entschärft, aber noch lange nicht ausgestanden." Und laut Marktbeobachter Andreas Lipkow bleibt die Frage offen, welches Thema von den USA als nächstes kommt oder wieder aufgewärmt wird.
Aus Sicht von Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank befindet sich der Dax bei rund 24.900 Punkten in einem neutralen Bereich, exakt zwischen Jahrestief und Rekordhoch. Für einen weiteren Anstieg sei jetzt eine Rückversicherung der Unternehmen entscheidend, dass die starken Gewinnerwartungen der Anleger für 2026 realistisch sind. Nach der Grönland-Thematik könne sich der Markt jetzt stärker der Berichtssaison widmen.
Hierzulande stehen vor allem am Donnerstag Jahreszahlen des Softwarekonzerns SAP und der Deutschen Bank sowie ihrer Fondstochter DWS an.
International dürften im Wochenverlauf aber auch die Quartalsberichte von Apple , Microsoft , Tesla und Meta große Strahlkraft haben. Europäische Schwergewichte wie ASML und LVMH runden das Gesamtbild mit ihren Zahlen ab.
Der Start in die US-Berichtssaison sei positiv verlaufen, stellte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater fest. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Unternehmen für positive Überraschungen beim Gewinn gesorgt habe, seien die Kursreaktionen keineswegs einheitlich gut ausgefallen. "Die erhöhten Bewertungen und entsprechenden Erwartungen der Anleger haben die Luft für Aktien, trotz langfristig guter Aussichten, kurzfristig dünner werden lassen", schrieb Kater.
Unabhängig von frischen Bilanzen könnten Rüstungswerte im Fokus bleiben, glaubt Anlagestratege Mark Dowding von RBC BlueBay Asset Management. Die Ereignisse rund um Grönland hätten das Gefühl der Dringlichkeit verstärkt, die Verteidigungsausgaben in Europa zu steigern. "Die jüngsten Entwicklungen mahnen auch zur Vorsicht gegenüber einer Unbekümmertheit an den Finanzmärkten, die in letzter Zeit die steigenden geopolitischen Risiken auszublenden scheinen", so Dowding.
Derweil wachsen die Sorgen um die politische Unabhängigkeit der US-Notenbank, nachdem Präsident Trump den Druck auf Fed-Chef Jerome Powell abermals erhöht hatte. Metzler-Chefvolkswirt Edgar Walk rechnet daher damit, dass Powell weiteren Zinssenkungen bis zum Ende seiner Amtszeit im Mai eine Absage erteilen wird. Auch bei der Fed-Entscheidung am Mittwoch seien also keine weiter sinkenden Zinsen zu erwarten. Das sende nicht nur ein institutionelles Signal, sondern decke sich obendrein mit den zuletzt spürbar aufgehellten Wirtschaftsdaten in den USA.
Unter den zahlreichen deutschen Konjunkturdaten der Woche dürfte das Ifo-Geschäftsklima am Montag herausstechen. Die jüngste positive Überraschung bei den Einkaufsmanagerindizes liefere eine positive Indikation, schlussfolgerte Simon Azarbayjani von der Landesbank Helaba. Ein Anstieg des Ifo-Index sei wahrscheinlich. Am Freitag aktuelle Arbeitslosenzahlen und vorläufige Inflationsdaten zum Januar veröffentlicht werden./niw/ajx/mis
--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---
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