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Mon Apr 20 12:10:01 CEST 2026
FRANKFURT (dpa-AFX) - Erneut hochgekochte Spannungen in Nahost haben den Dax am Montag belastet. Der deutsche Leitindex gab einen Teil seiner kräftigen Freitagsgewinne wieder ab. Die Situation in der Straße von Hormus ist weiterhin unübersichtlich und brenzlig. Nachdem der Iran vor dem Wochenende die Öffnung der Meerenge bis zur restlichen Dauer der Waffenruhe am Mittwoch angekündigt hatte, wurde dies nach nur einem Tag wieder zurückgenommen.
Die Armeeführung monierte dabei die fortdauernde Blockade iranischer Häfen durch die USA. Zudem lehnt die iranische Führung laut einem Bericht der Staatsagentur Irna ein zweites Treffen mit US-Vertretern ab und verwies neben der Blockade auf übertriebene Forderungen und einen ständigen Kurswechsel der USA. Die Ölpreise stiegen wieder deutlich und die Anleger am Aktienmarkt meiden erneut Risiken.
Zur Mittagszeit büßte der Dax 1,5 Prozent auf 24.341 Punkte ein, hielt sich damit aber weiter über der viel beachteten 200-Tage-Durchschnittslinie. Diese gleitende Linie ist für charttechnisch interessierte Anleger ein wichtiger Indikator für den längerfristigen Trend. Der MDax mit den mittelgroßen Werten verlor 1,6 Prozent auf 31.430 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx ging um 1,4 Prozent abwärts.
"Anleger sehen eine erneute Schließung der Straße von Hormus als Teil der Verhandlungen, und niemand rechnet damit, dass diese ohne Wendungen und Rückschläge auskommen werden", erklärte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank die vergleichsweise moderaten Verluste. Die wiederholten Störungen auf einer der wichtigsten Energiehandelsrouten unterstreiche jedoch die fragile Lage und dämpfe Hoffnungen auf ein zeitnahes, tragfähiges Friedensabkommen, ergänzte Marktexperte Timo Emden. Und Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC-Partners verwies angesichts des Ölpreisanstiegs auf erneute Inflationssorgen, die an den Börsen mit steigenden Zinsen assoziiert werden.
Größte Verlierer waren wieder einmal Aktien der Reise- und Freizeitbranche, gefolgt von Papieren aus der Autobranche. Tui und Lufthansa sanken im MDax um die drei Prozent.
Deutsche Autoaktien gaben allesamt nach, wobei die Anteilsscheine des Autobauers VW mit minus 2,7 Prozent am deutlichsten verloren. Zum allgemeinen Druck kamen noch negative Nachrichten und Erwartungen für den Konzern hinzu. So sprach sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies dafür aus, den Bau von chinesischen Autos in den deutschen VW-Werken zu prüfen, da der Wolfsburger Autohersteller weiterhin mit Entlassungen und Überkapazitäten an seinen Standorten zu kämpfen hat. Was den anstehenden Quartalsbericht angeht, ist zudem die Investmentbank Goldman Sachs etwas vorsichtiger geworden. Das operative Quartalsergebnis dürfte laut Analyst Christian Frenes etwas unter den Erwartungen liegen.
SAP als Schlusslicht im Dax gaben um 3,5 Prozent nach und weiteten ihren Jahresverlust so auf fast 28 Prozent aus. Die Softwarebranche leidet besonders unter den Sorgen vor einer Verdrängung durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). SAP-Chef Christian Klein werde zur Zahlenvorlage in dieser Woche wohl insbesondere noch einmal genau erklären müssen, was er mit "kurzfristigen Schmerzen" hinsichtlich der weiteren Aussichten des Unternehmens gemeint habe, erwartet JPMorgan-Analyst Toby Ogg.
Wacker Chemie legten nach angehobenen Jahresumsatzzielen im MDax um 1,6 Prozent zu. Infolge des Iran-Kriegs verdiente der Chemiekonzern im ersten Quartal vorläufigen Zahlen zufolge operativ mehr als erwartet.
Gewinne verbuchten zudem Aktien aus der Energiebranche. Verbio , die am Freitag einen Rückschlag erlitten hatten, gewannen an der Spitze des Kleinwerte-Index SDax 1,7 Prozent. Seit Beginn des Iran-Kriegs war die Aktie des Herstellers von Biokraftstoffen in der Spitze um mehr als 70 Prozent gestiegen. Im Dax gewannen RWE als Favorit 2,4 Prozent und Eon legten um 0,8 Prozent zu./ck/nas
--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---
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