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Thu Apr 09 06:18:28 CEST 2026
ROSTOCK/FREEST (dpa-AFX) - Die Heringswanderung lockt derzeit Angler an die Kaikanten an der Ostsee. Petrijünger holen etwa im Rostocker Stadthafen seit Tagen den beliebten saisonalen Speisefisch aus dem Wasser. Mit ihrem speziellen Fanggerät mit mehreren Haken - dem sogenannten Paternoster - ziehen sie dabei teils mehrere Heringe auf einmal heraus.
Nach Angaben des Thünen-Instituts für Ostseefischerei hat der zurückliegende frühe und vergleichsweise kalte und lange Winter dafür gesorgt, dass die Heringe später als in den Vorjahren einwandern. Vor Ostern habe man aber bereits reichlich Laichaktivität beobachtet, erklärt Institutsleiter Christopher Zimmermann, vor allem im Strelasund.
Auch für die Fischer in Vorpommern hatte das Eis Folgen: "Wir hatten natürlich mit dieser langen Frostperiode zu tun, so dass der Greifswalder Bodden eigentlich über Wochen komplett zugefroren war, so dass natürlich kein Fischer irgendwie rausfahren konnte", sagt Stefan Thurow, Geschäftsführender Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Peenemündung Freest (Vorpommern-Greifswald).
Späterer Saisonstart für Fischer
Erst Mitte März hätten die Fischer rausfahren können. "Normalerweise beginnt die Heringssaison schon teilweise Mitte Januar. Also es fehlten uns gut zwei Monate Zeit." Wegen der geringen erlaubten Fangmengen versuchten Fischer eigentlich, die Saison zu strecken und Stück für Stück ihren Hering abzusetzen. "Nicht wie vor 15 Jahren, dass da immer alles auf einmal gefangen worden ist und mit Lkw nach Dänemark gefahren worden ist." Diese Streckung habe dieses Mal aber nicht stattgefunden.
Fischer konnten nach Aussage Thurows die ihnen zugeordneten, eigentlich ohnehin nicht hohen Fangmengen gar nicht abfischen. Viele Fischer hatten demnach die Stilllegung ihrer Kutter zuvor bereits zum 1. April angemeldet. "Weil dort in der Regel der Hering schon längst wieder weg ist", sagt Thurow. Für die Stilllegung zur Bestandsschonung erhalten die Fischer Prämien. Man könne die Stilllegung zwar auch wieder verschieben. Es sei aber fraglich, wie sinnvoll das aktuell ist.
"Das ganz große Problem, was wir im Bodden haben, sind tatsächlich die Kegelrobben", sagt Thurow. Bevor diese wieder verstärkt dort auftraten, habe man die Stellnetze am Abend ausgebracht und am nächsten Tag wieder eingeholt. Das sei wegen der Robben unmöglich. "Weil die finden die Netze und fressen die leer." Deshalb seien die Fischer dazu übergegangen, die Netze auszubringen, sich in der Nähe aufzuhalten, um die Robben fernzuhalten und dann nach ein paar Stunden die Netze wieder einzuholen. Auch das sei nicht mehr möglich. "Mittlerweile haben die Robben sämtliche Scheu verloren vor irgendwelchen Booten."
Hohe Kraftstoffpreise sind Problem
Außerdem hätten die Fischer den Eindruck, dass bislang nicht so viele Heringe in den Greifswalder Bodden eingewandert seien, der als wichtigstes Laichgebiet gilt. Hinzu kämen die hohen Kraftstoffpreise. "Deswegen werden die Fischer die Stilllegezeiten jetzt auch in Anspruch nehmen, weil eben die Kraftstoffpreise sich verdoppelt haben hier für die Schiffe." Bei solchen Kosten fahre man nicht raus, um wahrscheinlich vergeblich nach Hering zu suchen, erklärt Thurow. "Die Kraftstoffpreise, was die für Auswirkungen haben für die Fischerei, wissen wir noch nicht. Aber es wird gewaltig."
Auch vor der Mecklenburger Küste gab es zuletzt weniger Hering, sagt Oliver Greve, Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Wismarbucht. "Es war schlechter als in den vergangenen Jahren." Die Fischer würden aber auch nicht "die Hände über dem Kopf zusammenschlagen". Wegen der geringen erlaubten Fangmengen falle der Rückgang nicht so sehr ins Gewicht. Ohnehin gebe es nur noch zwei aktive Fischer in der Wismarbucht. Die hohen Kraftstoffpreise betreffen sie laut Greve natürlich auch.
Begrenzte Fischerei mit Auflagen
Dass weniger Hering angelandet worden sei, merkt laut Thurow auch der Verarbeitungsbetrieb der Genossenschaft. Man habe nur ungefähr die Hälfte des eigentlich bestellten küchenfertigen Herings produzieren können. "Es ist tatsächlich eine Katastrophe."
Ehemals als sogenannte Brotfische für das Auskommen der Fischer wichtige Arten stehen in der Ostsee unter Druck. Gründe dafür sind etwa der Klimawandel, Überfischung und Nährstoffeinträge. Hering darf an der deutschen Ostseeküste deshalb schon länger nur im begrenzten Umfang gefischt und angelandet werden. Dabei dürfen nur kleinere Kutter und passive Fangmethoden wie Stellnetze zum Einsatz kommen, nicht aber große Kutter und Schleppnetze.
Hoffnung auf guten Heringsjahrgang
Zimmermann und sein Team nehmen bis Juni wöchentlich Proben, um die Entwicklung des Heringsnachwuchses zu beobachten. "Wir konnten ja zeigen, dass spätere und wärmere Winter die Hauptursache für die schlechte Nachwuchsproduktion unseres Herings der westlichen Ostsee sind", erklärt der Experte. Demnach laichen Heringe unter derartigen Bedingungen zu früh, die Eier entwickeln sich zu schnell, und am Ende treten hungrige Larven auf, bevor geeignete Nahrung für sie vorhanden ist. Ein früh eintretender und kalter Winter könnte einen einzelnen guten Jahrgang hervorbringen - so die Hoffnung. "Wir werden leider erst im Herbst die notwendigen Zahlen haben, um abschätzen zu können, ob 2026 einen guten Heringsjahrgang hervorgebracht hat."/chh/DP/jha
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