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Thu Oct 15 13:01:19 CEST 2026
HAMBURG (dpa-AFX) - Der Anstieg der Wohnungsmieten hat sich beschleunigt. Im dritten Quartal stiegen die Mieten von angebotenen Wohnungen ohne Berücksichtigung der Inflation um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Kiel Institut für Weltwirtschaft mitteilte. Demnach handelt es sich um den stärksten Anstieg seit dem ersten Quartal vergangenen Jahres. Unter den acht größten deutschen Städten verteuerten sich die Mieten am stärksten in Berlin und Düsseldorf. Sie legten um 2,1 und 2 Prozent zu.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bekräftigte, sie dringe in der Koalition darauf, den Mieterschutz zu verschärfen.
Im zweiten Quartal waren die Angebotsmieten dem Kiel Institut zufolge um 0,8 Prozent zum Vorquartal gestiegen. Angebotsmieten sind die Mieten, die im Internet auf Immobilienportalen verlangt werden. In vielen ländlichen Regionen sind Angebotsmieten deutlich niedriger als in Städten.
Das Kiel Institut wertet nach eigenen Angaben die Mieten in 37 Städten und Regionen aus. Darunter sind die 30 bevölkerungsreichsten Städte des Landes. Der Mietpreisindex Greix gibt daher vor allem einen Überblick, wie sich Mieten in Großstädten entwickeln. Der Mietpreisindex setzt sich aus Immobilienmarktdaten aus mehr als 100 Quellen zusammen.
Deutlicher Anstieg in Hamburg
Wie aus den Zahlen des Kiel Instituts weiter hervorgeht, lagen die Mieten ohne Berücksichtigung der Inflation im dritten Quartal um 3,7 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die Betrachtung des Vorjahreszeitraums klammert, anders als der Vergleich zum Vorquartal, saisonale Effekte aus. Unter Berücksichtigung der Inflation lag das Plus noch bei 0,7 Prozent.
Im Jahresvergleich sind die Mieten nominal mit 6,7 Prozent am stärksten in Hamburg gestiegen. Außerhalb der acht größten Städte legten die Mieten in Bochum, Augsburg und Mannheim am kräftigsten zu. Das Plus in den drei Städten lag zwischen 6,3 und 5 Prozent. Warum die Mieten in diesen Städten überdurchschnittlich stiegen, ging aus der Veröffentlichung nicht hervor.
Der Wohnungsmarktexperte Jonas Zdrzalek vom Kiel Institut sagte, die Mietpreisdynamik nehme wieder leicht zu. Vergleichsweise stark entwickelten sich die Preise der Bestandswohnungen. Das sind bereits bewohnte Wohnungen, die in der Tendenz günstiger sind als Neubauwohnungen.
Die teuerste Großstadt ist nach wie vor mit großem Abstand München. Die durchschnittliche Kaltmiete lag demnach bei 23,7 Euro je Quadratmeter. Die Plätze zwei und drei nehmen Frankfurt und Hamburg ein. Die Kaltmiete ist die Miete ohne Neben- und Betriebskosten.
In Deutschland fehlt Wohnraum
In Deutschland fehlen geschätzt mehr als eine Million Wohnungen. Vor allem in Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Das hält die Preise hoch und lässt die Mieten steigen. 2025 wurden hierzulande so wenige Wohnungen fertig wie seit 2012 nicht: 206.600 - 18 Prozent weniger als im Vorjahr.
Die SPD-geführte Vorgängerregierung hatte 400.000 neue Wohnungen in Deutschland im Jahr angepeilt, das aber nicht erreicht. Die amtierende Bundesregierung will mit einem "Bau-Turbo" über schnellere Genehmigungen und weniger Vorschriften den stockenden Wohnungsbau voranbringen.
Treffen zum Wohnen in Berlin
Am Donnerstag veranstalteten der Deutsche Mieterbund und der Deutsche Gewerkschaftsbund in Berlin einen "Wohngipfel". Ziel war nach Ankündigung, Druck auf die Bundesregierung auszuüben. Der Mieterbund und der Gewerkschaftsbund fordern Reformen des Mietrechts. An der Veranstaltung sollte Bundesjustizministerin Hubig teilnehmen.
Hubig kündigte schon vor Beginn des Treffens an, dass sie in der Koalition darauf dringe, den Mieterschutz zu verschärfen. "Ich habe bereits im Frühjahr einen Gesetzentwurf für besseren Mieterschutz vorgelegt, der sich eng am Koalitionsvertrag orientiert", sagte sie dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Es komme darauf an, das Gesetzgebungsverfahren voranzubringen.
Der Vorschlag aus dem Justizministerium sieht unter anderem Änderungen bei Indexmieten, möblierten Wohnungen und Kurzzeitvermietungen vor. Bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfes im Juli hatten Unions-Abgeordnete Lockerungen zugunsten der Vermieter gefordert.
Der Eigentümerverband Haus und Grund, der Interessen der Vermieter vertritt, lehnt den Entwurf des Gesetzes zur Änderung des Rechts der Wohn- und Geschäftsraummiete ab. Dieser könne besonders die Rechte und die Planungssicherheit privater Kleinvermieter einschränken.
Mieten als Wahlkampfthema
Im Wahlkampf zur Berliner Abgeordnetenhauswahl waren Mieten ein wichtiges Thema. Die Linke wurde mit einem auf das Thema ausgerichteten Wahlkampf stärkste Kraft. Die Partei ist für eine Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, um so den Angaben nach in Berlin 220.000 Wohnungen in kommunale Hand zu bekommen.
Die Bundesregierung hat sich allerdings schon darauf verständigt, mit einem Bundesgesetz zu regeln, dass die Verstaatlichung von Mietwohnungen über Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene nicht möglich werden soll. Nach dem jüngsten Stand gibt es allerdings noch keinen Gesetzentwurf, sondern nur einen Beschluss des Koalitionsausschusses.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte zu dem Thema: "Es geht vor allem darum, an die internationalen Investoren eine klare Botschaft zu senden, die da lautet: Es gibt in Deutschland keine Enteignungen von privatem Eigentum."/lkm/DP/jha
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