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Fri May 08 15:34:19 CEST 2026
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die holprig verlaufende Erholung am deutschen Aktienmarkt könnte sich in der neuen Woche fortsetzen. Weiterhin hoffen die Anleger, dass der wackelige Waffenstillstand im Nahost-Krieg hält und die für den Energiehandel wichtige Straße von Hormus letztlich wieder geöffnet wird.
Allerdings zeige die Vergangenheit, dass Rückschläge in einem möglichen Annäherungsprozess einkalkuliert werden müssten, schrieb Analyst Christian Reicherter von der DZ Bank. Die unter den Marktakteuren vorherrschende Zuversicht scheine daher zuletzt etwas zu weit vorausgeeilt zu sein.
Insofern dürften Nachrichten zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite weiter die Richtung am Aktienmarkt bestimmen. Dabei achten die Anleger insbesondere auf die Auswirkungen der Meldungen auf den Rohölmarkt. Sollte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent dauerhaft über der viel beachteten Marke von 100 US-Dollar liegen, droht ein deutlicher Anstieg der Inflation. Dies wiederum dürfte die Notenbanken zwingen, eventuell die Leitzinsen zu erhöhen, was in der Folge die Aktienmärkte entsprechend belasten würde.
Vor diesem Hintergrund werden die Anleger in der neuen Woche wohl vorwiegend auf die US-Preisdaten am Dienstag schauen. Präsident Donald Trump brauche baldmöglichst niedrigere Inflationsraten, um bei den Zwischenwahlen im November eine realistische Chance für eine Verteidigung der republikanischen Mehrheit in den Kongresskammern zu haben und nicht zur "Lame Duck" zu werden, schrieb Robert Greil, der Chefstratege der Privatbank Merck Finck: Der Trend sei bisher aber ein ganz anderer: "Die US-Inflationszahlen für den April dürften sich eher der Vier- als der Dreiprozentmarke nähern."
Greil sieht auch noch weitere Gründe, warum Trump an einem baldigen Ende des Kriegs interessiert sein dürfte. So steige generell der Druck am Markt, zu einer Einigung zu kommen. Zudem gebe es Munitionsengpässe, und wegen des Krieges fehle Geld für Aufgaben im Inland.
Auch die Börsenstatistik-Experten von Index Radar blicken nicht allzu pessimistisch in die nahe Zukunft. Hohe Ölpreise, geopolitische Spannungen, wieder anziehende Inflationserwartungen und eine US-Notenbank, die sich maximale Flexibilität offen hält, ergeben zwar kein Umfeld, das normalerweise für Rekordstände in Aktienindizes wie dem Dax bekannt sei. Doch Liquidität, Technologiefantasie und robuste Unternehmensgewinne wirkten weiterhin wie ein erstaunlich belastbares Gegengewicht.
Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen äußerte sich ebenfalls recht zuversichtlich: "Bislang üben sich die Anleger lediglich in Zurückhaltung, eine Rückkehr in den Krisenmodus ist noch nicht zu beobachten, zumal US-Präsident Trump eine Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Iran bekräftigte." Stand heute würden damit die kriegsbedingten Schwankungen zwischen Risk-on und Risk-off anhalten, bis ein Friedensabkommen in Kraft trete.
Ansonsten müssen die Anleger in der neuen Woche auch eine Fülle weiterer Unternehmenszahlen verarbeiten. Am Montag berichten unter anderem der Anlagenbauer Gea Group , der Rückversicherer Hannover Rück und der Baukonzern Hochtief über ihre Geschäfte im abgelaufenen ersten Quartal. Am Dienstag folgen - neben vielen Werten aus den hinteren Reihen - aus dem Dax der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer , der Rückversicherer Munich Re und der Energietechnikkonzern Siemens Energy .
Noch dichter gedrängt ist die Agenda am Mittwoch. Dann stehen allein aus dem hiesigen Leitindex die Allianz , Brenntag , die Deutsche Telekom , Eon , Merck KGaA , die Porsche Automobil Holding , RWE und Siemens im Blick./la/ajx/he
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
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