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Fri Mar 06 18:08:06 CET 2026
FRANKFURT (dpa-AFX) - Konjunktur- und Inflationssorgen wegen des Iran-Krieges haben dem Dax die schwächste Woche seit dem US-Zollgewitter im April 2025 eingebrockt. Hinzu kamen triste US-Arbeitsmarktdaten, die ebenfalls für Konjunkturunsicherheiten sorgten. Der deutsche Leitindex fiel am Freitag um fast ein Prozent auf 23.591,03 Punkte. Für die Woche ergibt sich damit ein Kursverlust von 6,70 Prozent.
Vor einer Woche hatte der Dax sich noch seinem Rekord von 25.507 Zählern aus dem Januar bis auf rund 100 Punkte genähert, dann aber machte der Angriff der USA und Israels auf den Iran den Anlegern einen Strich durch die Rechnung.
Der MDax der mittelgroßen Werte schloss am Freitag mit einem Tagesverlust von 0,7 Prozent auf 29.482,78 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um gut ein Prozent. In London und Zürich ging es auch deutlich nach unten. Der US-Leitindex Dow notierte zum europäischen Börsenschluss rund ein Prozent tiefer, ebenso der technologiewertelastige Nasdaq 100 .
"Die Investoren haben nach enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aus den USA und vor einem potenziell ereignisreichen Wochenende kalte Füße bekommen und sich aus Aktien weiter zurückgezogen", sagte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Die Situation im Nahen Osten verbessere sich nicht und es sehe derzeit nicht nach einem schnellen Ende des Krieges der USA und Israels gegen den Iran aus.
Mittlerweile forderte US-Präsident Donald Trump eine "bedingungslose Kapitulation" des Iran. Die Kampfkraft des Landes ist nach US-Einschätzung infolge der Attacken zwar erheblich geschwächt, dennoch versucht die iranische Führung, den Krieg im gesamten Nahen Osten auszuweiten, Öl- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten werden ins Visier genommen. Auch ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus - einem Nadelöhr des globalen Öl- und Gashandels - laut der Marineberatungsgruppe Joint Maritime Information Center (JMIC) mittlerweile nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.
Die daher stark gestiegenen Öl- und Gaspreise bringen Inflationsgefahren mit sich. Je länger der Krieg andauert, desto größer werden diese. Allerdings bleiben Experten vorerst zuversichtlich, dass die Situation beherrschbar bleibt. So geht Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, in seinem Basisszenario von einem eher kurzen, höchstens dreimonatigen Krieg aus. "Ein viel schnelleres Kriegsende erscheint uns weniger realistisch, eine viel längere Dauer mit etwa einer monatelangen Schließung der Straße von Hormus Stand heute ebenfalls", erklärt Greil.
Gefragt waren angesichts der geopolitischen Unsicherheiten einmal mehr Rüstungsaktien. An der Dax-Spitze legten Rheinmetall um knapp 3 Prozent zu. Im MDax lagen die Anteilsscheine des Panzergetriebe-Herstellers Renk mit einem Kursplus von gut 7 Prozent vorn. Die Papiere des U-Boot-Bauers TKMS und des Rüstungselektronik-Spezialisten Hensoldt waren auch weit vorn dabei.
Als klares Schlusslicht im MDax brachen die Anteilsscheine von Lanxess um mehr als 17 Prozent ein. Das vorläufige Scheitern des Verkaufs der restlichen Anteile am Gemeinschaftsunternehmen Envalior hatte bei den Aktionären einmal mehr Sorgen mit Blick auf die Finanzierung des Spezialchemiekonzerns geweckt.
Im Sog von Lanxess sackte der Kurs von Wacker Chemie um 7,7 Prozent ab. Die Entscheidung des Finanzinvestors Advent, die restlichen Anteile an Envalior zumindest jetzt noch nicht von Lanxess zu kaufen, sei auch ein negatives Signal für Wacker Chemie, erklärte Branchenexperte Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan. Es unterstreiche, in welch schwierigem Umfeld zyklische Chemieunternehmen derzeit operierten.
Im Dax rutschten die Aktien von Infineon mit einem Minus von fast 7 Prozent auf den letzten Platz, nachdem die Analysten der Schweizer Großbank UBS ihre Kaufempfehlung gestrichen hatten. Die Kurskorrektur des Chipkonzerns seit dem Mehrjahreshoch gegen Ende Februar ging damit erst einmal weiter. Analyst Francois-Xavier Bouvignies bleibt mittelfristig zwar optimistisch, sieht zunächst aber Risiken, die das Kurspotenzial einschränken sollten. So lasse das KI-Umsatzziel bis 2027 nur wenig Luft nach oben.
Dank gleich mehrerer positiver Analystenkommentare stabilisierten sich die Papiere von DHL nach ihren deutlichen Vortagesverlusten. Sie stiegen um gut ein halbes Prozent. Die Verwerfungen in den Frachtmärkten durch den Iran-Krieg kämen dem Logistik-Konzern mit seinem großen, flexiblen Netz zupass, schrieb etwa die Expertin Muneeba Kayani von der US-Investmentbank Bank of America. Am Vortag hatte der von geopolitischer Unsicherheit geprägte Ausblick Anleger noch verschreckt./mis/jha/
--- Von Michael Schilling, dpa-AFX ---
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