Nachrichten Detail

Enthaltene Instrumente

ROUNDUP 3: Merz zieht die Zügel an - Sanierung bei Thyssenkrupp trifft alle

21.11.2019 13:29:55

(neu: Mehr Hintergrund.)

ESSEN (dpa-AFX) - Hohe Verluste, keine Dividende und möglicherweise ein stärkerer Personalabbau als geplant: Bei Thyssenkrupp wird es unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Martina Merz ungemütlich. "So wie bisher kann es nicht weitergehen", kündigte Merz am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz des angeschlagenen Stahl- und Industriekonzerns an. Thyssenkrupp habe sich in der Vergangenheit "durchgewurschtelt", statt die Probleme "konsequent und ernsthaft anzugehen". Treffen wird der neue Kurs alle: Mitarbeiter, Manager, Aktionäre.

Zwei bis drei Jahre veranschlagt Merz für die Sanierung des Traditionsunternehmens mit seinen weltweit mehr als 160 000 Mitarbeitern. Doch das kostet zunächst einmal, einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag hat der Konzern für den Umbau reserviert. Für eine erwartete Kartellstrafe sind 370 Millionen Euro zurückgelegt. Da auch der konjunkturelle Rückenwind fehlt, wird der Konzern im neuen Geschäftsjahr 2019/20 noch tiefer in die Verlustzone rutschen. Im abgelaufen Jahr hatte Thyssenkrupp unter dem Strich ein Minus von 304 Millionen Euro eingefahren.

Die Aktie brach am Donnerstag zwischenzeitlich um mehr als 10 Prozent ein. Der Industriekonzern bleibe in schwierigem Fahrwasser und stehe vor harten Zeiten, schrieb Analyst Christian Obst von der Baader Bank in einer ersten Reaktion. Der Ton des Industriekonzerns sei mit Blick auf eine beschleunigte Restrukturierung deutlich strenger gewesen als zuvor, kommentierte Jefferies-Analyst Alan Spence.

Merz hatte erst am 1. Oktober das Ruder in Essen übernommen - nach turbulenten Jahren für Thyssenkrupp mit Chefwechseln, dem Verbot der Stahlfusion mit dem Konkurrenten Tata durch die EU, der abgesagten Konzernteilung und schließlich dem Abstieg aus dem Dax . Bei ihrem ersten Auftritt auf großer Bühne zog die Ingenieurin eine vernichtende Schlussbilanz der Arbeit ihrer Vorgänger. "Nicht zufriedenstellend", "viel zu wenig in der Umsetzung", "weit hinter den Ansprüchen zurück", "Zeit mit anderen Themen verbracht" - Merz hängte Kritikpunkt an Kritikpunkt. Bei ihrem Vorgänger Kerkhoff, den Merz als Aufsichtsratsvorsitzende kontrolliert hatte, klang die Kritik am eigenen Unternehmen ähnlich.

Auf die Beschäftigten kommen neue Unsicherheiten zu. Thyssenkrupp wird möglicherweise mehr als die bisher geplanten 6000 Arbeitsplätze streichen. "Zum aktuellen Zeitpunkt können wir noch nicht ausschließen, dass es mehr Stellen werden, die wir abbauen müssen", sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. "Schritt für Schritt werden wir da genauer werden können." Für den Abbau von 2100 Arbeitsplätzen gebe es bereits Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern.

Erste Maßnahmen beim Personalabbau hat Thyssenkrupp inzwischen mitgeteilt. In der Essener Unternehmenszentrale soll fast die Hälfte der bislang etwa 800 Arbeitsplätze wegfallen - nur für einige wird es einen neuen Job im Konzern geben. Im Autozuliefergeschäft sollen 640 Stellen abgebaut werden. In den nächsten Wochen und Monaten werde es "immer wieder Meldungen zu Stellenreduzierungen geben", kündigte Burkhard an.

Die Aktionäre müssen für das abgelaufene Geschäftsjahr auf eine Dividende verzichten - zum dritten Mal in den vergangenen acht Jahren. Das trifft vor allem die Kruppstiftung, die mit den Dividenden ihre wissenschaftlichen und kulturellen Förderprogramme finanziert.

Merz will zudem den Wettbewerb zwischen den einzelnen Sparten des Konzerns anheizen. "Die Geschäfte stehen miteinander im Wettbewerb um Investitionen", sagte sie. Wenn einzelne Geschäfte nicht zu den Branchenbesten aufschließen könnten, müsse sich Thyssenkrupp eingestehen, "dass wir nicht der beste Eigentümer sind". Einen dauerhaften Ausgleich von Verlusten werde es nicht mehr geben. Wenn die Manager nicht die erwarteten Ergebnisse bringen, müssten sie "dafür geradestehen".

Geld für die Sanierung soll die profitable Aufzugssparte bringen. Ob dies über einen Börsengang, einen Komplettverkauf oder einen Teilverkauf geschehen soll, bleibt vorerst offen. Im ersten Quartal kommenden Jahres werde eine Entscheidung fallen, "welche Option wir primär weiterverfolgen", sagte Finanzchef Johannes Dietsch. Merz versicherte, die Erlöse würden "nicht zum Stopfen von Löchern" genutzt.

Thyssenkrupp will sich wieder mehr auf seine Stammgeschäfte Stahl und Werkstoffhandel konzentrieren. Doch dafür ist die Situation derzeit wenig günstig. Die Stahlindustrie leidet unter der schwachen Nachfrage in Europa und weltweiten Überkapazitäten. Bei Thyssenkrupp Steel ist der Gewinn massiv eingebrochen, das bereinigte Ebit sank von 687 auf 31 Millionen Euro. Im Dezember will Thyssenkrupp für den Stahlbereich ein Konzept vorlegen. Schon jetzt sind Einschnitte absehbar. Um sich die nötigen Investitionen leisten zu können, "müssen wir an unseren Kosten arbeiten. Da werden alle ihren Beitrag leisten müssen", sagte Vorstandsmitglied Klaus Keysberg./hff/DP/men

Wertentwicklungen (Performances) und Renditechancen werden ohne Berücksichtigung der jeweiligen Produkt-, Dienstleistungskosten und Zuwendungen angezeigt. Diese und deren Auswirkungen auf die Performance und Renditechance des Instruments erhalten Sie kundenindividuell vor Ihrer Transaktion oder im Rahmen Ihrer Beratung bei der HypoVereinsbank.

Alle Angaben ohne Gewähr. Die Informationen auf dieser Seite stellen weder eine Anlageberatung, noch ein verbindliches Angebot dar und dienen ausschließlich der eigenverantwortlichen Information. Insbesondere können sie eine Aufklärung und Beratung durch den Betreuer nicht ersetzen. Die Instrumente sind nur in Grundzügen dargestellt. Ausführliche Informationen enthalten bei Fonds die allein verbindlichen Verkaufsprospekte sowie die Wesentlichen Anlegerinformationen, die aktuellen Jahres- und Halbjahresberichte, bei anderen Instrumenten die allein verbindlichen Basisprospekte einschließlich etwaiger Nachträge bzw. die Endgültigen Bedingungen und bei Finanzinstrumenten, die der PRIIP-Verordnung unterliegen zusätzlich die Basisinformationsblätter. Diese deutschsprachigen Dokumente erhalten Sie bei Fonds in elektronischer Form auf der Detailseite zum Fonds und/oder in Papierform kostenlos über alle HypoVereinsbank Filialen. Bei Finanzinstrumenten, die der PRIIP-Verordnung unterliegen erhalten Sie die deutschsprachigen Basisinformationsblätter in elektronischer und/oder in Papierform kostenlos bei Ihrem Ansprechpartner der HypoVereinsbank. Alle anderen Dokumente können Sie direkt beim Emittenten anfordern. Wertpapiere und sonstige Finanzinstrumente unterliegen u.a. Kurs- und Währungsschwankungen, die die Rendite steigern oder reduzieren können. Es kann grundsätzlich zum Verlust des eingesetzten Kapitals kommen. Alle Wertpapiere außer Fonds unterliegen dem Emittentenrisiko und strukturierte Produkte zusätzlich dem Risiko des Basiswertes. Bei Optionsscheinen, Knock out Produkten und Faktorzertifikaten sind starke Kursschwankungen üblich und es besteht ein Totalverlustrisiko.

Die Informationen auf dieser Seite stellen auch keine Finanzanalyse dar. Eine den gesetzlichen Anforderungen entsprechende Unvoreingenommenheit wird daher nicht gewährleistet. Es gibt auch kein Verbot des Handels - wie es vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen gilt. Diese Information richtet sich nicht an natürliche oder juristische Personen, die aufgrund ihres Wohn- bzw. Geschäftssitzes einer ausländischen Rechtsordnung unterliegen, die für die Verbreitung derartiger Informationen Beschränkungen vorsieht. Insbesondere enthält diese Information weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren an Staatsbürger der USA, Großbritanniens oder der Länder im Europäischen Wirtschaftsraum, in denen die Voraussetzungen für ein derartiges Angebot nicht erfüllt sind.

Factset   Mountain-View
© 2012-2020. UniCredit Bank AG (HVB). Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.
Design and Implementation by ByteWorx GmbH.
Powered by FactSet Digital Solutions GmbH.
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch FactSet Digital Solutions GmbH.
Fondsdaten bereitgestellt von Mountain-View Data GmbH.

Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!
Langfristige Wertentwicklungen und Kursschwankungen insbes. zu Finanzinstrumenten, bzw. zu Finanzindizes entnehmen Sie bitte der jeweiligen Detailseite. Bitte beachten Sie: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für eine künftige Wertentwicklung (Performance) und Renditechance. Die Rendite kann in Folge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.